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Frühlingserwachen

Es beginnt meist Ende Januar, spätestens aber nach den „tollen Tagen“ im Februar. Dieses Ziehen im Bauch, dieses Sehnen. An dem Tag, an dem das erste schüchterne Singen einer Amsel vor dem Fenster zu hören ist, das erste Mal der Himmel wieder ein klares Blau und die Sonne ihr helles Licht zeigt. Wie schwer fällt dann der Gang ins Büro, noch schwerer angesichts zahlreicher Buchungen Gleichgesinnter, die nur noch eines treibt: raus aus dem Wintergrau, rein in den Frühling!
Im Supermarkt grinsen uns hunderte goldglänzender Schokohasen an, umrahmt von Narzissen, Tulpen und stark duftender Hyazinthen, ich aber habe nur ein Bild vor meinem inneren Auge: die alterwürdigen Mauern der Arena in Arles. Menschen in bunten, spanisch anmutenden Kostümen darin, Musik, Sprachgewirr. Blaskapellen, die durch die Stadt ziehen, sich auf den überfüllten Plätzen drängen, Heiterkeit,

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Fröhlichkeit, einfach Freude spenden. Der verheißungsvolle Duft aus überdimensionalen Paellapfannen, die im Freien aufgebaut werden, Rotwein, gleich karaffenweise geordert, Café au Lait in großen Schüsseln, Menschen mit Sonnenbrillen, plaudernd, rauchend, gestikulierend in Straßencafés, jeder Platz ist besetzt, aber nicht einmal ein Hauch von Ungeduld, Aggression, Stress ist zu spüren, nur Leichtigkeit, südfranzösische, heitere Leichtigkeit: Feria Pasquale, Ostersonntag in Arles. Und damit nicht nur der Beginn der Stierkampfsaison (die leider auch hier nicht ganz unblutig ist) sondern auch: Frühlingserwachen.

Wir mischen uns unter die Tagesausflügler und Touristen, lassen uns treiben von der Menschenmenge, die nicht nur um die Arena herum, sondern auch in den Gassen und auf den Plätzen den Start in die helle Jahreszeit mit Musik, Tanz, gutem Essen und Trinken zelebriert. Nicht nur für die Arlesianer ist das Tradition, auch für uns seit Jahrzehnten, seit wir in den frühen achziger Jahren zum ersten Mal eher zufällig an einem verregneten Ostersonntag hier strandeten, auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen, denn zu der Zeit waren wir noch bescheiden mit Zelt unterwegs. Damals haben wir uns bereitwillig in das erstbeste Lokal lotsen lassen, das nichts anderes als ein zur Kneipe umfunktionierter Keller war. Eine Gipsy Band spielte mitreissend, der Rotwein floss in Strömen, dunkelhäutige Menschen um uns herum prosteten uns zu, lachten, tanzten. Wie hätten wir uns dieser Stimmung entziehen können? Im Lauf des Tages zogen wir durch viele solcher Lokale, und als wir nach unzähligen  Stunden fröhlicher Heiterkeit endlich den Weg zurück zum Campingplatz antraten, leuchteten längst die Sterne am klaren Nachthimmel. Die darauf folgenden Tage habe ich nur vage in Erinnerung. Ich weiß, dass wir kreuz und quer durch die Provence gefahren sind, immer ein nettes Plätzchen für unser Picknick mit Baguette, Käse und Rotwein gefunden haben, alte Klöster und Kirchen bewundert, tiefe Schluchten durchwandert, karstige Bergkuppen erklommen, in feuchte Höhlen geklettert sind, uns am Strand in Les-Saintes-Maries de la Mer den Sand durch die Zehen haben rieseln lassen, aber immer noch hatten wir den Klang der Gipsy Kapellen im Ohr, und so ist das bis heute geblieben,- in meinen Gedanken untrennbar mit Ostern, Frühjahr und Provence verbunden.

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Wir haben eine Tradition daraus gemacht: Frühling in der Provence. Nicht jedes, aber doch zumindest jedes zweite, dritte Jahr machen wir uns auf, fahren das Rhonetal hinunter und lassen uns, sobald wir Valence hinter uns gelassen haben, einfach treiben. Wehren nicht den Magnetisums ab, der uns an vertraute, manchmal auch an neue, also von uns bisher nicht entdeckte Orte trägt….der graue Alltag ist dann weit weg, und es zählt nur „vivre comme un coq en pâte“…(=herrlich und in Freuden leben)
Tun Sie es uns doch nach!
Wir sehen uns! (Ostersonntag in Arles!)

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