Die große Tour

02.11.18

Ich bin ein Liebhaber von Architektur und streife auf der Suche nach außergewöhnlichen Gebäuden gerne durch Städte. Las Vegas hat auch in dieser Hinsicht einiges zu bieten, denn namhafte Architekten haben auch hier ihre Spuren hinterlassen. Das beste Beispiel hierfür ist der Hotelkomplex Aria Resort / Vdara Hotel / Veer Towers / Crystals, zusammen bilden sie das so genannte CityCenter. Vorne am Strip fällt der außergewöhnliche Bau des Crystals mit seinen scharf nach oben ragenden Spitzen ins Auge, ein Werk des New Yorker Architekturbüros Daniel Libeskind. Dahinter ragen die beiden Veer Tower auf: keine rechtwinkligen, geraden Türme, sondern schräg voneinander weg geneigt und in der Fassade Millionen von LEDs, die nachts leuchten und blinken (wie es die ganze Stadt ja permanent tut). Dagegen hebt sich die schwarz glänzende Fassade des Aria Hotels zwar kontrastreich, aber doch eher „gewöhnlich“ ab. Dort aber sind die „inneren Werte“ eher hervorzuheben: zeitgenössische Kunst, wohin das Auge blickt. Und ein paar Casinos und Türen weiter (die Hotels sind fast alle miteinander verbunden) im Cosmopolitan dann der Riesen-Stiletto und die Bar unterm Giganten-Kronleuchter „Chandelier“, der sich über drei Etagen ausbreitet. Bei manchen Objekten kann man zu Recht fragen, ob das Kunst oder wohl doch eher Kitsch ist….Unauffällig, nicht etwa, weil es klein und unscheinbar wäre, nein es ist eher die Lage weit hinten am Vdara Hotel, ist die Skulptur, die das aus lauter Kanus besteht und von weitem wie eine fantastische Pflanze aussieht.
Am Ende des Tages fahren wir mit dem Auto noch hinauf nach Nord-Vegas zum Lou-Ruvo Center für Geistesgesundheit. Nicht etwa, weil uns die Klinik interessiert, nein, das Gebäude ist es, von Frank Gehry entworfen. Wie der zusammengeknüllte Entwurf einer Fassade sehen die silbern glänzenden Teile aus, hinter denen sich dann aber angemessen rechtwinklige und statisch leichtere Gebäudeteile verbergen. Ein Steinwurf davon entfernt ein Gebäude ganz anderer Architektur: das Smith Center for the performing Arts ist ganz im Neo Art Deco Stil gehalten, einschließlich eines wunderschönen Turms. Drei Theatersäle sind in den Gebäuden untergebracht, gespielt wird alles von Klassik bis Pop, von klassischem Schauspiel bis Comedy, es gibt Tanztheater, Kabarett. Eine Alternative zu den Theatern am Strip, aber wir schaffen es auf dieser Tour nicht mehr, eine Vorstellung zu besuchen sondern nehmen uns das für das nächste Mal vor. Denn unser Abendprogramm heute: Koffer packen.

01.11.18

 Valley of Fire 17Kontrastprogramm heute: nach einer guten Stunden Fahrt erreichen wir den „Valley of Fire State Park“ nordöstlich von Las Vegas. Stein- und Felswüste, offene Landschaft in allen Braun-, Beige- und Rottönen, niedriges, höchstens hüfthohes trockenes Buschwerk und vereinzelt Kakteen. Am faszinierendsten sind die roten und weißen Sandsteinfelsen, die mal in waagerechten, mal in senkrechten Schichten aufgefaltet sind und nach Jahrtausenden unablässiger Erosion fantastische Formen haben. Auch Löcher und Durchbrüche, also Fenster findet man häufig. An exponierten Stellen sind Parkplätze vorhanden und beschilderte Wanderwege unterschiedlichster Längen eingerichtet, auch Kletterrouten gibt es. Um diese Jahreszeit,- es ist ja immer noch sehr warm, aber nicht wirklich heiß -, macht uns das Wandern wirklich Freude (im Sommer wäre es unerträglich heiß und dadurch auch gefährlich). Vesper und ausreichend Wasser im Rucksack marschieren wir auf verschiedenen Trails, an fantastischen Felsformationen vorbei. Die unglaublichsten Formen, Figuren und Gesichter sind von Wind und Wetter in Stein gemeißelt.

Valley of Fire 16Kein Wunder, dass auch Stämme der „First Nations“ darin heilige Zeichen fanden und dann ihrerseits auf ihren Wanderungen durch das Feuertal Spuren in Form von Gravuren hinterlassen haben (am Atlatl Rock). Mir persönlich gefallen diese beiden Wanderrouten am besten: der „White Domes Loop“ wo es u.a. durch einen engen Canyon und an Resten von Filmkulissen aus den 1950er Jahren vorbei geht, sowie der Weg zu den „Waves“, den wunderschön gezeichneten Sandsteinhügeln und -formationen, die aus weißen und roten Schichten bestehen. Da an den weiter von den Parkplätzen entfernten Wegen nur wenig Besucher unterwegs sind, hat man die Landschaft oft ganz für sich allein, das ist herrlich! Es fällt dann später am Tag auch umso schwerer, dem Lauf der Sonne folgend, allmählich an den Rückweg denken zu müssen, denn bei Einbruch der Dunkelheit schließt der Park.

Nach diesem Tag in der trockenen Wüste sind die Wanderer durstig. Ein Bier im Hofbräuhaus Las Vegas, das muss jetzt einfach sein! ;-)

Valley of Fire 1Valley of Fire 2Valley of Fire 3Valley of Fire 4Valley of Fire 5Valley of Fire 6Valley of Fire 7Valley of Fire 8Valley of Fire 9Valley of Fire 10Valley of Fire 11Valley of Fire 12Valley of Fire 13Valley of Fire 15Valley of Fire 14

31.10.18

Ein solches Hotel habe ich noch nicht erlebt: die Gäste werden ausdrücklich aufgefordert, sich im Kräutergarten zu bedienen. Hotel ist ja vielleicht auch nicht die richtige Bezeichnung für das Cancun Resort, denn Doppel- und Einzelzimmer im üblichen Sinn gibt es gar nicht, weil das Hotel ausschließlich Appartements hat. Wir haben die kleinste Kategorie gebucht, die 700sqf groß ist (das sind 65qm) und über eine komplett eingerichtete Küche mit Essplatz für 4 Personen, ein Wohn- und ein Schlafzimmer sowie zwei Bäder und einen großen Balkon verfügt. Ruhig ist es außerdem, also Messpunkt ganz oben auf der Wohlfühlskala. Das Glitzerviertel von Vegas liegt ein paar Meilen weiter nördlich, man muss einfach den Las Vegas Boulevard hinauf fahren, und schon ist man umgeben von blinkenden Leuchtreklamen, überdimensionierten Bildschirmen mit Werbevideos in Endlosschleife und Musikbeschallung (alle paar Meter ein anderes Genre). Klar ist das alles ein künstliche Scheinwelt, die hier mitten in die Wüste geklotzt wurde, nur mit dem Ziel, der zockerfreudigen Klientel das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber was daraus im Lauf der Jahrzehnte geworden ist, gibt es nirgendwo sonst auf der Welt: Themenhotels (keines hat weniger als mindestens 2000 Zimmer) überbieten sich gegenseitig mit Rekorden, mit Nie-da-Gewesenem, wie z.B. das weltgrüßte Riesenrad im Linq Hotel, der Freefalltower Stratosphere die gigantischen Kunstsammlungen im Aria – und Vdara Hotel. Oder die Achterbahnen rund um das New York – New York Hotel. Nicht zu vergessen der künstliche Canale Grande mit echten Gondolieri im Venetian Hotel. Gäste können zwischen zahlreichen Shows und Entertainment-Programmen wählen (alle namhaften US-Showgrößen müssen mindestens 1x in ihrer Karriere in Las Vegas aufgetreten sein). Ladenzeilen sind sowieso überall selbstverständlich: unterschiedlich zwar in ihrer Gestaltung (z.B. unter künstlichem Himmel wie im Cesars Palace oder im Venetian), aber inhaltlich (Ketten!). Was die Verpflegungsmöglichkeiten anbetrifft, fange ich gar nicht erst an aufzuzählen…(selbstverständlich sind namhafte Sterne- und TV-Köche mit eigenen Restaurants vertreten). Eines allerdings ist überall gleich: die gigantischen Spielhallen mit ihren Roulette-, Poker- und Black-Jack Tischen und dem Urwald an Spielautomaten, den „einarmigen Banditen“. Selbstverständlich muss man als Gast oder Besucher immer diese Spielhallen durchqueren, bevor man in die Zimmer- und Entertainment-Trakte gelangt ;-)
Man kann hier, völlig des Zeitgefühls verlierend, endlos umherstreifen und, - das zählt zu unseren Lieblingsbeschäftigungen - , „people-watching“ betreiben. Viele der Besucher dieses „Sündenbabels“, so hat man den Eindruck, wollen tatsächlich einfach mal auf den Putz hauen. Die Cocktails werden schon zur frühen Nachmittagsstunde geschlürft (auch auf der Straße, das Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit ist im Gegensatz zum Rest von USA hier in Las Vegas nämlich erlaubt). Viele Grüppchen ziehen den Las Vegas Boulevard, den so genannten Strip rauf und runter. Ihre Zusammengehörigkeit ist beispielsweise an uniformer Kleidung wie „lustigen“ T-Shirts zu erkennen, oder am originellen Kopfschmuck (Hüte, Kränze, Blumen, Federn). Viele Junggesellen- und –gesellinnenabschiede werden hier gefeiert und natürlich: viele Hochzeiten! Am berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“ Schild am südlichen Strip reihen sich auch viele Hochzeitspaare in die anscheinend nie endende Menschenschlange ein, um sich fotografieren zu lassen. Auch hier macht Zugucken richtig Spaß.
Am Abend,- es ist ja der Halloweenabend -, mischen wir uns auf der „Linq-Promenade“ unter die Menschen, die hier zum Teil mit unglaublich aufwändigen Kostümen umherwandeln und sich gerne fotografieren lassen. Noch überwiegt passend zum Anlass das Gruselthema, doch man wird das Gefühl nicht los, dass sich Halloween allmählich zu einer Art Ersatzkarneval für die protestantisch geprägten Amerikaner entwickelt, denn außer in New Orleans gibt es im ganzen Land keinen Karneval.

DSC 0861DSC 0866DSC 0903DSC 0904HalloweenHalloween 1Halloween 2Nicht Venedig sondern Las VegasStartosphere Tower

30.10.18

Roys Cafe Alte Route 66Wir ziehen weiter in nördliche Richtung. Umrunden den Joshua Tree Nationalpark und fahren zunächst bis Amboy, einer Ansammlung bescheidener Bungalows mit Bahnstation der „Pacific Railway“ und einer Tankstelle an der alten, legendären Route 66. Roy s Cafe hat seine Blütezeit schon längst hinter sich. Das Motel dahinter zerfällt, die Küche ist schon lange geschlossen, nur die Kaffeeautomaten und die Zapfsäulen tun noch ihren Dienst. Zu essen gibt es nur Chips, Schokoriegel und in Zellophan verpackte Zuckerbömbchen. Wir schlürfen den Kaffee aus Pappbechern und schwelgen in alten Erinnerungen: 1996 sind wir mit den Kindern die komplette Route 66 von Chicago bis Los Angeles runter gefahren. Damals musste man sich die Route z.T. noch mühsam suchen, doch es hatte sich bereits eine Organisation (bestehend aus lauter Ehrenamtlichen) gegründet, um das historische Erbe zu erhalten bzw. wiederzubeleben. Viele Teilstrecken, die nach dem Bau der durchgehenden Interstate-Autobahn stillgelegt worden waren und in der Folge einfach verschwanden, wurden wieder beschildert, in alten Tankstellen und Motels wurden Museen eingerichtet, Restaurants und Cafes wurden wieder eröffnet. Der Boom der Folgejahre (der bis heute anhält) gab ihnen Recht. Bei Roys Cafe existieren immerhin die hohen, weithin sichtbaren Schilder und die große Fernmeldeantenne noch…

Der Zug 1 Der Zug 2Durch die Mojawewüste zieht sich nicht nur eine einsame Straße nach Norden, auch die Eisenbahnschienen glänzen im Sonnenlicht. Was mag wohl alles in den Containern und Tanks dieser unfassbar langen Züge transportiert werden, die mit geschätzten 45M/h durch die trockene Landschaft ächzen? Es muss ein einsamer Job sein, hoch oben auf den PS-starken Lokomotiven. Jedesmal, wenn Straße und Schiene parallel verlaufen und sich Zug und Auto begegnen, gibt der Lokführer sein akustisches Signal (wir kennen es ja aus Kanada).

Die Landschaft ist mal hügelig, mal felsig, aber auch ganz so, wie man sich eine Wüste gemeinhin vorstellt: sandig. Der Kelso-Düne erreicht neben einer beachtlichen Länge auch eine Höhe von 200m und präsentiert sich uns mit ihrem schönen Faltenkleid aus der Ferne im Nachmittagslicht. Auf die Wanderung zum Dünenkamm müssen wir aus Zeitgründen leider verzichten. Las Vegas wartet.

Kelso Duene 1  Die Kelso Sandduene Auf Abwegen in der Mojawe Wueste Kelso Duene 2 Chloridabbau MojawewuesteDrachenbaum MojawewuesteEndlos zieht sich die Straße in der MojawewuesteKunst in der MojawewuesteRoys CafeSalzpfanne in der MojawewuesteStachelige Gesellen in der MojawewuesteTankwart KipVerlassenes Haus in der Mojawwueste

29.10.18

Wir haben wunderbar geschlafen, so ruhig, wie es hier ist! Das Frühstück wird auf dem Bügelbrett angerichtet, einen Tisch gibt es im Zimmer nämlich keinen (im Improvisieren sind wir gut!). Das Baguettebrot aus dem Supermarkt ist noch erstaunlich frisch,- weder müssen wir es mit dem Beil spalten, weil es zu hart wäre, noch haben wir „Kaugummi“ im Mund…auch hier also stellen wir Fortschritte im Warenangebot der USA fest: früher gab es doch immer nur und ausschließlich dieses weiche Zeug aus der Packung, das man mühelos zu einer kleinen Teigmasse zusammendrücken konnte. Oder ist es die hiesige Klientel, fast ausnahmslos betuchte Amerikaner (die Millionärsdichte soll hier groß sein), die nach einem anspruchsvolleren Warenangebot verlangt?
Die schönsten bzw. sehenswertesten Villenviertel von Palm Springs hatte uns die freundliche Dame im Visitor Center im Stadtplan farbig markiert. Wir wollen mal sehen, wie die besser Verdienenden so wohnen und brechen nordwestlich der „Lebensader“ Palm Canyon Drive zu einem Spaziergang auf. Die Straßen sind breit, Gehwege gibt es keine, dafür sorgsam bepflanzte Seitenstreifen (wie das alles immer gewässert werden muss!) vor unglaublich großen Grundstücken, die meist mit hohen Mauern und Hecken vor den Blicken Neugieriger geschützt sind. Genau das hatte ich mir schon gedacht: welcher Filmstar oder schwerreiche Geschäftsmann will sich seine Privatsphäre nicht bewahren? Wollen wir Normalos ja auch! Also sehen wir meist nur die Dächer der Bungalows und erhaschen ab und zu mal einen Blick aufs Grundstück, wenn die Gärtner, Handwerker oder Hausangestellten das Tor passieren. Überall sind Kameras und Hinweisschilder auf „bewaffnete“ Sicherheitsdienste zu sehen. Auch der Sheriff patrouilliert regelmäßig, so dass wir mit unseren Kameras uns allmählich wie unerwünschte Paparazzi fühlen, die den Promis auflauern. Die Schönen, die Reichen und die ganz schön Reichen bleiben gerne ungestört und unter sich. Hohe Mauern und Hecken beflügeln die Fantasie. Unsere ist durchaus ausgeprägt und erhält zusätzlichen Schub, wenn wir am Haupttor eines Anwesens Schilder lesen wie z.B.: „Deliveries & services use backdoor (oder „northern gate“) only“ und dann denken: aha, die Herrschaft legt die Regeln unmissverständlich fest! Money rules! Und schon haben wir Bilder vor unserem geistigen Auge, die vielleicht auf alten Hollywoodfilmen gründen: Die Hausherrin empfängt ihre Besucher in der repräsentativen Empfangshalle des Anwesens, gewandet in echte Seide, betonierte Blondfrisur, Zigarettenspitze in der einen (obwohl,- vielleicht eher nicht, Rauchen ist auch hier nicht mehr so en vogue), Drink in der anderen Hand. Die Bediensteten bleiben unsichtbar, reichen allenfalls Nüsschen zum Apero. Die Nanny beschäftigt unterdessen den Nachwuchs, damit dieser die illustre Cocktailrunde ebenfalls nicht stört, der Hausherr hat sich etwas verspätet, weil die Golfrunde länger dauerte als geplant, und wird von seiner Gattin mit hochgezogener Augenbraue (sofern dies nach der Botoxbehandlung überhaupt noch möglich ist) bedacht…..wie gesagt: viel Fantasie, noch mehr beflügelt durch die zahlreichen „Medical Center“ abseits der Wohnstraßen, die allesamt eher Ferienresorts ähneln anstatt Kliniken, ach ja, Entzugskliniken soll es ja auch geben. Bevor wir mit unseren Spekulationen ganz auf Yellow-Press-Niveau sinken, gehen wir was trinken und eine Kleinigkeit essen.
Nachmittags kommen wir dem Erwarteten dann in einem weiter südlich liegenden Quartier näher: hier stehen sie, die schönen Bungalows ( mittlerweile „historic sites“!) aus den 1920er bis 70er Jahren, die von namhaften Architekten (Albert Frey, Richard Neutra, William F. Cody, Donald Wexler, um nur einige zu nennen) der jeweiligen Zeit entworfen und gestaltet wurden und zum Teil mittlerweile als edle Guest Houses fungieren, weshalb man sie besser betrachten kann als die privaten Villen. Angefangen hat es mit Film – und Showstars, die sich „hideaways“ schaffen wollten, um dem trubeligen Leben in Hollywood ab und zu entfliehen zu können. Die ließen sich in Palm Springs Wochenendhäuser bauen, natürlich alles sehr edel und dem Stil der jeweiligen Zeit entsprechend designed. Die Promis haben nicht nur ihre prachtvollen Villen hinterlassen, sie bekamen auch alle eine Palme (nicht Stern, sondern Palme!) auf dem „Walk of Stars“ vorne auf dem Canyon Drive aufs Gehwegpflaster. Auch die Architekten wurden verewigt: rund um das Architekturzentrum/Museum sind deren Palmen zu finden.
Uns zieht es noch zum Palm Springs Art Museum, denn Kunst, vorzugsweise zeitgenössische Kunst ist in Palm Springs ebenso allgegenwärtig wie die wohlhabende Klientel. Die Kunst gehört quasi zur notwendigen Infrastruktur und äußert sich nicht nur in der Architektur, es liegen und stehen einfach auch überall in der Stadt Kunstwerke und Installationen herum, dass es eine wahre Freude ist, diese zu entdecken. Hinter dem Rowan Hotel zwischen Belaro Road und Museum Drive krabbeln in einer Grube nackige Riesenbabys ohne Gesicht herum, in und am Saguaro Hotel wird mit Farben geschwelgt, nur um mal zwei ganz augenfällige Beispiele zu nennen.
Im Museum selbst bestaunen wir die Totempfähle aus Gepäckstücken, die überdimensionierte afrikanische Schale, die aus lauter Getränkedosen besteht und vieles mehr, was Künstler geschaffen haben aus den unterschiedlichsten Materialien. Nur wenig Raum nehmen Bilder und Objekte des 19.Jh. ein. Diese zeigen vor allem ein eher romantisiertes Bild des „wilden Westens“.

60er Jahre Villa Achtung Afrikanische Schale Afrikanische Schale Detail Art Deco Bungalow Bungalow 2 Fassade 70er Fassade 80er Fassade der Kaffeekette Hohe Mauern Hecken Im Museum Kunst des 19 JhPalmen fuer die ArchitektenPoolbereich einer 50er Jahre VillaRepraesentativer VilleneingangRepraesentativer Villeneingang 2Villa 70er

28.10.18

Es ist wieder mal alles perfekt durchorganisiert von der Schiffsbesatzung: die Passagiere werden, in Gruppen aufgeteilt (jede Gruppe = eine Farbe), nacheinander von Bord gelassen. Jede Gruppe/Farbe hat eine Uhrzeit mitgeteilt bekommen, wann das Von-Bord-Gehen stattfinden wird. Trotzdem finden sich jede Menge Menschen vollkommen „unsortiert“ auf dem Flur vor dem Ausgang ein und verstopfen den Durchlass für diejenigen, die sich an die Vorgaben halten. Da kommen mal wieder Trillerpfeifen und energisch erhobene Stimmen zum Einsatz ;-) Wir haben uns brav und pünktlich im Vorraum des Gästeservice niedergelassen und warten, bis unsere Farbe aufgerufen wird, um vom Schiff gehen zu dürfen. Im Ankunftsterminal suchen wir unser Gepäck zusammen und treten dann vor das Gebäude, um ein Taxi zu suchen. Da kommt eines nach dem anderen, und im Nu sitzen wir in einem und fahren zum Flughafen zur Autovermietung. Direkt am Gebäude mit den Büros der unzähligen Mietwagenfirmen werden wir rausgelassen und stehen ruck-zuck bei Alamo vor dem Schalter. Nach Unterzeichnen des Mietvertrags geht es eine Etage nach oben in das große Parkhaus, wo wir uns einen Wagen einer sogar höheren Klasse als gebucht raussuchen dürfen. Klappt alles wie am Schnürchen, und schon sind wir auf dem Highway 15 und raus aus der Stadt. Trockene Gegend hier im Süden Kaliforniens: Baumlose Hügel mit braun-verdorrtem Gestrüpp, viel Steine, viel Geröll, nur ab und zu ein paar bewässerte Felder, wo es üppig grünt. Bald haben wir Riverside und somit die Abzweigung auf den Interstate Nr. 10 erreicht. Die Wüstenstadt Palm Springs ist unser heutiges Ziel. Einige Meilen davor passieren wir einen gigantischen Windpark. Nur wenige der unzähligen dreiflügeligen Mühlen drehen sich, so dass man sich fragt, ob Sonnenkollektoren nicht die bessere Alternative gewesen wären….Gedanken unbedarfter Europäer wahrscheinlich! Dann liegt das Palmenmeer vor uns, das dem Ort neben den heißen Quellen seinen Namen gab: Palm Springs. Die umliegenden Berge sind, typisch für eine Wüstenlandschaft, praktisch vollkommen vegetationslos und erinnern somit stark an den Süden Marokkos (da fühle ich mich doch gleich „zuhause“). Der höchste Gipfel, der Mount San Jacinto ist immerhin 3.302m hoch. Eine Seilbahn (die längste der Welt, mit drehbaren Gondeln) geht bis auf 2596m hinauf, den Rest muss man sich wandernd und kletternd erschließen.
Im Besucherzentrum am Ortsbeginn von Palm Springs, das in einer ehemaligen Tankstelle aus den 1960er Jahren lassen wir uns einen Stadtplan geben, denn die Orientierung ist in dieser Stadt auf weit ausgedehnter, ebener Fläche nicht leicht, wenn man bestimmte Viertel aufsuchen und anschauen will.
Super, dass wir schon vorzeitig unser Zimmer im Travellodge Motel im Süden von Palm beziehen können! Wir tragen das Gepäck rein und machen uns gleich auf, ein bisschen Verpflegung für die nächsten Tage zu besorgen, denn Frühstück ist ja hier in USA üblicherweise nicht im Übernachtungspreis enthalten bzw. wird in den Motels nicht angeboten. Im Einkaufswagen liegen dann auch noch ein paar Flaschen Bier und Wein,- der Supermarkt hat wohl eine Alkoholverkaufslizenz. Oder ist es inzwischen üblich, dass man in Supermärkten alkoholische Getränke kaufen kann (vielleicht ja nur in Kalifornien)? Liquor Shops gibt es trotzdem noch in großer Zahl, wie wir festgestellt haben.
Es ist viel wärmer hier als in San Diego. Ich tausche die Hose gegen einen Rock aus und ziehe die Sandalen an,- herrliches Sommergefühl! Dann bummeln wir den North Palm Canyon Drive (von einem Canyon merkt man nichts!) ein Stück die eine Seite hinauf und auf der anderen wieder hinunter, nicht ohne in die zahlreichen Galerien, Boutiquen und Lokale reinzuschauen, versteht sich! Bummeln macht hier an der palmengesäumten Avenue richtig Spaß, denn Kettenläden gibt es hier so gut wie keine. Lediglich ein Starbucks hat sich platzieren können, und zwar in einem architektonisch interessanten Gebäude, das schon fast als Gesamtkunstwerk gelten kann (vielleicht war das auch der Plan bzw. die Voraussetzung). In einer kleinen Kostümboutique (zu beschreiben mit den Adjektiven „bunt“, „glitzernd“ und „schrill“) outet sich die Besitzerin als Südbadenerin. Marianne, die schon fast ihr ganzes Leben lang in Kalifornien lebt bezeichnet Palm Springs als „guten Ort zum Leben“. Die Kälte (nicht nur im Physischen Sinne) in Deutschland fehle ihr nicht, meint sie. Wir haben in den wenigen Stunden hier auch schon bemerkt, dass es total locker und entspannt zugeht. Das gefällt uns.

Besucherzentrum Palm SpringsLandschaft bei Palm SpringsLandschaft Palm SpringsTravellodge Motel Palm Springs

18. bis 27.10.18

Ein Malheur ist passiert. Die Texte zur Kreuzfahrt, die ich in einer gesonderten Datei abgelegt hatte, ließen sich nicht mehr öffnen, immer zeigte es einen Fehler an, bzw. "Datei beschädigt". Zuerst dachte ich noch, ich hätte mir einen Virus eingefangen, aber das hat sich zum Glück als Irrtum erwiesen. Zum Einstellen in den Blog benötigt man ein gutes WLAN. Das hatte ich auf dem Schiff natürlich nicht. Zurück an Land, machte ich mich gleich an die Arbeit und entdeckte dann mit Schrecken, dass die Datei beschädigt war. Also, was mache ich jetzt nur?? Der ganze Zeitraum vom 18.-27.10., all die Erlebnisse, Eindrücke, Gedanken...alles weg! Ich werde wohl versuchen, alles aus dem Gedächtnis noch einmal zu schreiben, aber leicht wird das nicht! Schließlich sind wir inzwischen weiter gereist, sind in anderer Umgebung, erleben täglich wieder Neues....

17.10.18

Ganz früh, noch im Dunkeln, stehen wir auf, denn es liegen nicht nur noch ca. 100km Fahrt vor uns, auch das Wohnmobil will geleert, aufgeräumt und geputzt werden. Endlich sind wir auf dem Highway. Vor Vancouver nimmt der Verkehr deutlich zu, ein Stau wie auf der Gegenspur bleibt uns glücklicherweise erspart. Direkt in unmittelbarer Nachbarschaft der Fraserway-Station auf Annacis Island können wir den Kraftstofftank noch befüllen, dann ist dieser Teil unserer großen Reise auch schon vorbei: das Wohnmobil verschwindet in der gigantischen Waschstraße des Unternehmens, ein Mitarbeiter hatte uns zuvor noch einen Zettel mit einer Zahl zugesteckt: 2202 steht darauf, das sind die Kilometer, die wir mit dem Mobil gefahren sind (somit hätten sogar noch ein „Guthaben“ von fast 300km gehabt)!

Der Fahrer des Shuttlebusses in die Stadt rein ist uns schon von der Herfahrt bekannt. Auch er erinnert sich wohl und fährt uns ungeachtet der festgelegten Haltestationen (=Hotels in der Innenstadt) direkt ans Terminal der Schiffsanlegestelle am Canada Place. Ich drücke ihm unsere letzten kanadischen Münzen in die Hand, und er verabschiedet uns mit einem freundlichen Lächeln, bevor er die anderen Gäste im Bus an ihren Bestimmungsort bringt. Da stehen wir nun in der düsteren Halle, die an ein großes, lärmerfülltes Parkhaus erinnert, und müssen uns erst einmal orientieren. Sind die eilig herbei laufenden Männer mit ihren Gepäckwagen wirklich im Dienst der Reederei Holland America Line? So richtig zufriedenstellend kann mir diese Frage keiner beantworten, zumal sie schlecht Englisch sprechen. Ich lasse Ekke bei den Koffern stehen und eile zur linken Seite der Halle, wo es zu den Schiffsterminals geht. Eben strömt eine große Anzahl asiatischer Touristen aus der Tür und bestürmt einen kleinen mobilen Counter mit dem Logo der Reederei. Dort bekommt man Kofferanhänger mit der Kabinennummer und darf dann sein Gepäck an kompetentes Personal aushändigen, bevor man den langen Weg zum Schiff antritt.

Hinter der automatischen Tür im Terminalgebäude geht es durch Hallen und Gänge an verschiedenen Kontrollpunkten vorbei schließlich in einen großen Saal, dessen komplette Fläche mit Stuhlreihen zugestellt ist, von denen etwa 1/3 besetzt sind. Eine Uniformierte brüllt in einer uns unverständlichen Sprache Befehle (vermutlich ist es aber nur ihr schwer verständlicher Akzent), die wir sehr schnell begreifen: man darf die Stühle nur fortlaufend besetzen, Lücken sind nicht erlaubt! Uiuiui, hier geht es resolut zur Sache, das Ganze erinnert dann doch ein wenig an Kasernenhofdisziplin. Na klar: ein Boarding für ein Schiff solcher Größe (Platz für 2000 Passagiere) will organisiert sein! Hektik oder Chaos darf hier nicht entstehen, deshalb der militärisch anmutende Befehlston. Es sind ja noch ein paar Stunden Zeit bis zum Ablegen des Schiffes, den Raum verlassen darf man aber nach all den Checkpoints (Bordkartenkontrolle, Handgepäck-/Sicherheitskontrolle, Passkontrolle, vorgezogene US-Einreisekontrolle und zuletzt: Weinflaschenkontrolle! (dazu später mehr)) nicht mehr. Immerhin: es gibt „Restrooms“. Eingeschüchtert packen wir unsere Vesperbrote aus, vielleicht ist ja Essen auch nicht erlaubt? Erleichtert stellen wir fest: wir sind nicht die einzigen, die kauen.

Ich weiß und gestehe es ein, wir sind nicht das typische und schon gar nicht das ideale Kreuzfahrtklientel. Wenn man es gewohnt ist, individuell zu reisen, schließt das aber nicht aus, sich einmal auf anderes Terrain zu begeben, sich auf eine andere Reiseart einzulassen. Es ist halt ungewohnt und somit spannend. Das hier ist nicht unsere erste Kreuzfahrt, aber es ist die erste auf einem solch großen Schiff. Uns kommt die „Eurodam“ der Holland America Line jedenfalls gewaltig vor, dabei ist das ja eher ein „mittelgroßes“ Kreuzfahrtschiff. Längst fahren auf den Weltmeeren Ozeanriesen mit deutlich mehr als doppelt so vielen Passagieren umher, und es werden immer noch mehr! Wir hätten uns gerne ein kleineres Schiff ausgesucht, aber die Kreuzfahrt mit der „Eurodam“ ist nun mal Bestandteil des Paketes dieser großen Reise, die in Vancouver begonnen hat und in Los Angeles, Kalifornien, enden wird.

Bei der Vergabe der Kofferschilder hatte ich schon festgestellt, dass unsere Kabinennummer eine andere ist, als die in den Reiseunterlagen bestätigte. Beim Check-in in der großen Halle (um die 20 Schalter sind dort aufgebaut) nachgefragt wird uns versichert, dass der Wechsel nicht zu unseren Ungunsten vollzogen wurde. Anstatt auf Deck 4, dem oberen Promenadendeck, hat man uns ganz unten auf Deck 1 untergebracht. Anstatt sich über „eingeschränkten“ (weil durch Rettungsboote versperrten) Blick grämen zu müssen, dürfen wir uns nun an unverbautem Blick erfreuen, allerdings in unrenovierten Kabinen. Ist aber völlig in Ordnung für uns, denn die Kabinengröße stimmt, und  das Bett ist auch eines in „Kingsize“- statt zwei in „Queensize“ (was so nie garantiert werden kann). Die Koffer sind schon da, einer davon allerdings mit ausgerissenem Griff. Auch das egal, denn eine der Rollen ist schon länger kaputt, wir wollten das Teil sowieso am Ende der Reise entsorgen. Nichts kann also unsere gute Laune beeinträchtigen, schließlich zählt in erster Linie der Komfort einer Kreuzfahrt mit spannender Reiseroute.

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Laut Tagesprogramm müssen wir uns pünktlich um 16Uhr/4:00PM zur Seenotrettungsübung am Sammelpunkt 14 einfinden. Wir zerren die Schwimmwesten aus dem Schrank und machen uns pünktlich auf den Weg. Auf dem Gang informiert uns der Kabinenstewart: die Westen bleiben im Schrank! Okay, die Dinger zurück gestopft und vor zur Rezeption, denn wir haben keine Ahnung, wo genau der Sammelpunkt 14 sich befindet (das gab die Willkommensbroschüre in der Kabine nicht her).Der Gästeservice, wie sich die Rezeption hier nennt, befindet sich wie unsere Kabine auf Deck 1, die Menschenschlange davor ist lang….wir sind demnach nicht die einzigen Suchenden. Schon ertönt das erste Warnsignal, dann das zweite. Menschen laufen orientierungslos auf Deck 3 herum, wo sich, das konnten wir inzwischen erfragen, sämtliche Sammelpunkte befinden, - die mit ungerader Zahl steuerbord, die mit gerader Zahl backbord. Militärischer Drill auch hier: in Fünferreihen hat man sich unter den Sammelzeichen aufzustellen, locker rumstehen wird nicht akzeptiert, schließlich muss es im Ernstfall auch geordnet zugehen. Nicht alle Gäste leisten den Anweisungen des Bordpersonals mit dem notwendigen Ernst Folge, so manche Trillerpfeife ist daher zu vernehmen, bis endlich die erforderliche Aufstellung erreicht wird und die eigentliche Übung beginnen kann. (Im Grunde ist es wie im Kindergarten, ein paar Trantüten, Taube Zappler, und Scherzkekse sind immer dabei.) Dazu gibt der Kapitän über Lautsprecher Anweisung, allerdings in einem für uns eher schwer verständlichen Englisch. Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich Abpfiff. Nun drängen mutmaßlich knapp 2.000 Kreuzfahrtgäste (falls alle Kabinen belegt sind) auf 4 Türen pro Deckseite zu, nicht wenige davon mit Stöcken, Krücken, Rollstühlen….

Gegen 19Uhr machen wir uns zum Abendessen in den „Dining Room“ eine Etage höher auf. Dort reihen wir uns in die lange Schlange vor dem Eingang ein. Endlich an der Reihe, werden wir nach der Tischnummer gefragt. Tischnummer? Ob wir nicht reserviert hätten, nein? Dann in einer Stunde wieder kommen, vielleicht ergibt sich ja eine Chance auf zwei freie Plätze an einem Tisch. Wir bringen in Erfahrung, dass man eine Tischreservierung bis spätestens 16Uhr hätte vornehmen müssen! Ja nett, weder in der dicken Gästebroschüre, noch im Tagesprogramm war da irgendwo eine entsprechende Information. Kommunikation scheint hier an Bord eher ein Schwachpunkt zu sein, siehe Seenotrettungsübung. (Ich notiere Punktabzug im Kopf.)

DSC 1148Der Dining Room geht über zwei Etagen. Aus irgendwelchen, für uns nicht nachvollziehbaren Gründen ist es uns verboten, in der oberen Etage zu speisen, wir müssen unten bleiben, nicht nur heute, sondern während der gesamten Kruezfahrt. Vielleicht herrscht auch hier eine strenge Einteilung gemäß Kabinenunterbringung, möglicherweise hat es aber auch mit dem Umfang der gebuchten Leistungen zu tun. Wir haben uns nämlich gegen ein Getränkepaket entschieden, weil das unser Budget enorm strapazieren und sich auch gar nicht rechnen würde bei unserem Bedarf. Kaffee, Tee/Eistee, Limonade und Leitungswasser sind gratis und immer verfügbar. Bier, Wein, Cocktails etc. schlagen dann aber mit heftigen Preisen zu Buche, auf die dann jeweils immer auch noch 15% Servicecharge hinzu gerechnet werden. Da überlegt man sich sehr genau, wie groß der Durst ist. Alkohol an Bord zu bringen ist übrigens nicht grundsätzlich verboten: jeder Gast darf einmalig (allerdings nur zu Beginn der Reise) eine Flasche Wein mitbringen, für jede weitere fällt dann ein so genanntes „Korkgeld“ i.H.v. 18USD an (gilt auch für Bier). Hochprozentige Alkoholika mitzubringen ist untersagt, das Gepäck wird – angeblich - kontrolliert. In dieser Beziehung hatten wir es auf unserer letzten Kreuzfahrt mit der Celestyal Crystal besser,- generelle Regelung dort: all inclusive.

Es gibt neben dem Hauptrestaurant an Bord, dem Dining Room noch ein Selbstbedienungsrestaurant (Lido Market), mehrere Imbisslokale sowie einige edle kleinere Restaurants, wo man gegen Aufpreis essen kann. Wir lassen uns ganz gerne von den freundlichen Indonesiern, die zu 90% den Service im Dining Room stellen, bedienen. Was diese zierlichen Menschen alles schleppen können! Und immer mit einem Lächeln auf den Lippen! Das macht die enorme Geräuschkulisse im Restaurant wett. Klar, so viele Menschen im Raum, dazu das Gedudel aus den Lautsprecherboxen und die Schiffsgeräusche,- eine ruhige Atmosphäre kann da nur Wunschdenken bleiben! Aber das Essen: vorzüglich! Auf der Menükarte liest sich ja immer alles sehr gut, leitet die Vorstellungskraft bewusst in Richtung Sterneküche, was dann aber selten genug erfüllt wird. Hier ist das Vokabular auf der Karte ehrlich und präzise genug, um sich keine falschen Vorstellungen zu machen. Und was dann kommt, kunstvoll und fein auf dem Porzellan angerichtet, kann auch verwöhnte Gaumen mit Entzücken erfüllen: alles ist köstlich! (Ich notiere Pluspunkte im Kopf.)

16.10.18

  Merritt 1Merritt 2Merritt 3

Merritt wird gerne als das Nashville Kanadas (also die Hauptstadt der Country Musik) bezeichnet. Die Stadt trägt den Beinamen „Country Music Capital of Canada“ auch tatsächlich und sicher zu Recht: jedes Jahr im August kommen hier Tausende von Countrymusikfans zusammen, um den Konzerten namhafter Künstler aus der Szene zu lauschen. Viele dieser Musiker sind auf Murals, großen Fassadengemälden und mit „Walk-Stars“ auf den Gehwegen rund um das Coldwater Hotel im Herzen der Stadt verewigt. Das Hotel selbst hat seine besten Zeiten längst hinter sich, aber es dient mit seinem morbiden Charme genauso wie die offensichtlich seit Jahrzehnten unveränderten Straßenzüge rundherum gerne als Filmkulisse, wie uns ein Touristenpärchen erzählt. Sicher ist: außer dem jährlichen Musikevent hat die Stadt für Besucher nicht sonderlich viel zu bieten, denn Outdooraktivitäten wie Wandern, Radfahren und Kanutouren sind woanders vermutlich mindestens genauso gut zu machen.

Coldwater Hotel Merritt 1 Coldwater Hotel Merritt 2 Coldwater Hotel Merritt 3 Mural in Merritt

Hatte ich am Anfang der Reise Hope tatsächlich ein wenig geringschätzig als „Provinznest“ belächelt, muss ich heute meine Meinung revidieren. Im strahlenden Sonnenschein sieht aber auch alles viel freundlicher aus als bei grauem Himmel, den wir anfangs hatten. Wir umrunden den kleinen Stadtpark, der mit Dutzenden von überlebensgroßen Holzfiguren bestückt ist, die alle seit den 90er Jahren von einem Künstler namens Pete Ryan mit Motorsäge und Schnitzwerkzeug gefertigt wurden. In der Folge gab sich Hope den Beinamen „Chain Saw Carving Capital“ (Hauptstadt der Motorsägenschnitzer), sicher auch aus dem Grund, weil Holzwirtschaft hier sowieso eine große Rolle spielt. Die Holzskulpturen sind sehr lebensecht und fein gearbeitet. Nicht nur die Tierwelt ist dargestellt, auch Szenen aus dem Alltagsleben sind beispielsweise an Rückenlehnen von Sitzbänken zu sehen.

Auf unserem Spaziergang durch den Ort, der wie so viele kanadische Kleinstädte erfreulich wenig Filialen großer Konzerne und Kettenlokale aufweist, landen wir u.a. in einem Antiquariat, das auch Schallplatten hat. Ich frage den jungen Mann hinterm Tresen nach Platten von „Wheen“ und den „Residents“ und muss grinsen, als er mich, bevor er eine Antwort gibt, kurz mustert und meint: „Die sind doch nicht für Sie persönlich, oder?“ Nein, ist ein Auftrag…wir lachen beide.

In Chilliwack setzen wir unsere – leider erfolglose – Suche nach Ahornsirup fort. Danach, auf dem Campingplatz nahe dem Highway 1, wird es ernst: Koffer packen ist angesagt, denn morgen müssen wir das Wohnmobil wieder abgeben und setzen unsere Reise dann auf dem Seeweg fort. Aus den letzten Vorräten wird noch eine umfangreiche Mahlzeit gekocht, die letzten Bierdosen zischen, und wir lassen die Zeit noch einmal Revue passieren. Erlebnisreiche Wochen liegen hinter uns, nicht minder spannende aber auch vor uns.

In Hope In Hope 1 In Hope 2 Schnitzkunst in Hope

15.10.18

Umgebung von KamloopsFeuerwache in KamloopsWir hatten am Abend zuvor noch einen Spaziergang über die einzige begehbare Brücke über den Fluss hinein in die Stadt gemacht. Das Straßenbild in Alt-Kamloops hatte uns gefallen mit seiner schönen Feuerwache, ein Kleinod des Art-Deco. Das möchten wir uns heute bei Sonne noch einmal betrachten, bummeln also durch die Stadt, entdecken noch mehr sehenswerte Gebäude entlang der Hauptstraße, die den typischen Charakter einer Provinzstadt aufweist, mit all den schönen Fassaden vorneraus und seitlich und hinten den zweckmäßigen glatten Fassaden, an denen die Installationsrohre und Kabel außen angebracht sind. Wir erkennen die gleichen Jammergestalten wieder, die uns schon gestern um Münzen angebettelt hatten, und die diesem Ort etwas Trauriges, Trostloses geben. Der Eindruck verstärkt sich noch, als wir oben auf dem Business-Loop südlich der Innenstadt einen Supermarkt suchen, wo man Ahornsirup in Dosen anstatt Glasflaschen kaufen kann. Zufällig geraten wir in einen Shop namens „Value Village“, einen riesigen Second-Hand-Laden der Kommune, der von außen wie ein ganz normaler Supermarkt aussieht. Schon beim Betreten nehmen wir den eigentümlichen Geruch wahr, der typischerweise von abgelegten, lange in Dachböden oder Kellern gelagerten Sachen ausgeht, muffelig und leicht modrig mit einem Touch Mottenkugeln. Die Waren, Kleidung, Schuhe, Spielzeug, Lampen, Elektronik, Bücher und Haushaltswaren liegen fein säuberlich in langen Regalen aus bzw. hängen an Kleiderstangen. Mit den Kunden (den meisten sieht man ihre Bedürftigkeit an) wird genauso professionell höflich umgegangen, wie in jedem anderen kommerziellen Supermarkt auch. In den USA habe ich einen solchen Supermarkt noch nie gesehen.

Wir wollten uns am Nachmittag eigentlich noch eine der weltgrößten Kupferminen (Highland Valley Copper Mine) bei Logan Lake anschauen, aber die Straße dorthin ist gesperrt, weil im Baustellenbereich einer zu sanierenden Brücke ein Lastwagen verunglückt ist. Der Umweg mit geschätzten 150km ist uns zu weit, deshalb fahren wir gleich durch bis Merritt und von dort noch an den Nicola Lake, einen schönen, Fjordähnlichen Bergsee. Aber auch dort das gleiche Szenario: Sperrung bzw. Information, dass der Campingplatz „Closed for season“ ist erst unmittelbar vor Ort. So ganz umsonst war die Strecke, die wir nun wieder zurück fahren müssen, allerdings nicht, denn ein Ensemble wunderschöner alter Farmhäuser mit einer kleinen Holzkirche dazwischen, was tatsächlich auch als „Historic Place“ ausgewiesen ist, lädt zu einem Stopp ein.

  Nicola Valley Nicola Valley 1 Nicola Valley 2 Nicola Valley 3 Nicola Valley Historic Site 1 Nicola Valley Historic Site 2Unweit von Merritt

In Merritt landen wir auf einem gepflegten, privaten Campground mit „full service“ am Stellplatz und wahrhaft luxuriösen Waschräumen: beim Duschen in den blitzsauberen, geräumigen Kabinen wird man sogar mit Musik berieselt. Im Gespräch mit dem Campingplatzbetreiber (der wie viele seiner Dauergäste in einem großen Mobilehome wohnt) stellt sich heraus, dass er übermorgen genauso wie wir das Kreuzfahrtschiff „Eurodam“ in Vancouver besteigen wird, um bis an die mexikanische Pazifikküste runter zu cruisen. Was für ein Zufall! Also dann, meint er später, man sieht sich dann auf dem Schiff! Da bin ich aber gespannt, ob man sich auf diesem Riesending wirklich begegnen wird….

14.10.18

Blue River 1 Blue River 2 Blue River 3 Blue River Lake 1

Jetzt ist es wohl wirklich vorbei mit dem trüben Wetter: die Sonne lacht! Zu Fuß umrunden wir den netten kleinen See am Rand von Blue River. Ein österreichischer Auswanderer, Mike Wiegele, hat hier ein komfortables Feriendorf mit lauter massiven Blockhäusern errichtet. In der Wintersaison fliegt er seine Gäste mit dem Helikopter in die Berge, von wo sie dann die Skiabfahrten in unberührtem Pulverschnee genießen können. Die im Feriendorf angebrachten Bärenwarnung-Hinweisschilder überraschen uns nicht, denn auf dem Wanderweg haben wir frische Bärenlosung entdeckt. Klar dass wir nur laut lärmend unterwegs sind…

Mike Wiegeles Resort 1Mike Wiegeles Resort 2

Durch wunderschöne Vorgebirgslandschaften folgen wir auf breitem Highway dem Flusslauf des North Thomson River. Zauberhafte Farmhäuser mit Acker- und Weideflächen drumherum bestimmen zunehmend das Bild. In Avola dann eine Pause im Log Inn & Pub, wo es den weltbesten Burger geben soll. Sehenswert ist der Pub, der wirklich in einem Blockhaus untergebracht ist, tatsächlich, auch was das Publikum betrifft, das hier alle Klischees erfüllt….außerdem ist das hier ein sehr bekannter Bikertreff: oben auf dem Hinweisschild zum Pub, das vorne an der Durchgangsstraße steht, ist eine echte Harley aufgesetzt.

Log Inn Log Inn 2

Ab Clearwater dann allmählich ein verändertes Landschaftsbild: Bergbaugebiet. Neben großen Weideflächen mit schwarzen Rindern und unendlich weiten Äckern, die voller leuchtender Kürbisse sind, fallen die meist kahlen Abraunhalden auf. Kaum noch Wald gibt es hier, aber viele verbrannte Flächen, wo sich nur zögerlich wieder Fauna festsetzt. Kamloops ist eine typische Bergarbeiterstadt, umgeben von riesigen Tagebauflächen und dazugehörender Industrieanlagen, Knotenpunkt von Eisenbahnlinien und Highways, Vereinigung zweier großer Flüsse (Nord- und Süd-Thomson, die ab hier einfach den Thomson River ergeben). Der einzige stadtnahe Campingplatz direkt am gewaltigen Fluss. Auch hier fast nur Dauercamper in einer großen Mobilhomesiedlung mit Vorgärtchen, Zäunen und kitschiger Deko. Durchreisende wie wir werden jenseits eines Dammes auf einer schönen Wiesenfläche untergebracht, das Rauschen des Thomson Rivers ganz nah, die Züge, die auf der gegenüber liegenden Flussseite die ganze Nacht rolle, hört man hingegen nicht, anscheinend herrscht hier Hupverbot.

Kuerbisfeld Blue River Lake 2

13.10.18

Es ist aussichtlos: das Wetter wird nicht besser!
Okay: das Wetter wird wirklich nicht besser! Also verlassen wir heute Jasper und fahren in westlicher Richtung auf dem Yellowhead Highway aus dem Nationalpark raus. Bevor es wieder nach British Columbia rein geht, unternehmen wir an einem zauberhaften kleinen See dann doch noch eine kurze Wanderung in einer Regenpause. Kein einziges Auto war am Parkplatz, also ist tasächlich außer uns kein Mensch unterwegs. Vorsichtshalber nehmen wir diesmal das Bären-Abwehrspray gleich in die Hand,- in der Hoffnung, es nicht verwenden zu müssen. Ein Stückchen geht es am Ufer des Sees entlang, durch lichten Wald dann bald bergauf, manchmal über glatten Fels, der mit eigenartig hellgelben, fast neonfarbenen Flechten überzogen ist. Viel Totholz liegt herum, braune Kiefer- und Tannennadeln und gelbe verwelkte Blätter von den wenigen Laubbäumen. Kein Vogelruf ist zu hören, kein Rascheln oder Knistern kleiner Streifen-oder Eichhörnchen, wie wir sie sonst oft gesehen haben, noch nicht mal unsere Schritte auf dem weichen Untergrund.

DSC 0804 DSC 0850 die raetselhaften Rohre im Wald Flechten

Es ist eine seltsame Stimmung und macht uns umso aufmerksamer in unserer Furcht vor Meister Petz. Hie und da ragen seltsame, vollkommen rätselhafte Metallrohre aus dem Boden, im oberen Drittel abgeknickt und offen. Besprinkelungsanlagen? Wir hatten schon viele verbrannte Waldflächen gesehen….Der Sinn und Zweck dieser Dinger erschließt sich uns leider nicht, es bleibt also ungeklärt. Der Rundweg endet ein Stück unterhalb des Highways unweit der Stelle mit dem Parkplatz an einer Felswand. Hier ist es vorbei mit der Stille, vorbeifahrende Trucks sorgen dafür.

zauberhafter kleiner einsamer See immer griffbereit das Baeren Abwehrspray Blick zum Mount Robson

Kaum über den Yellowhead Pass drüber, reißen die Wolkengebirge dann zögerlich aber endgültig auf und präsentieren wieder einen freundlicheren Anblick der Bergriesen. Bestätigt also, was wir im Wetterbericht gesehen hatten: die Schneewolken hängen ganz oben zwischen den höchsten Erhebungen der Rocky Mountains fest. Auch der weiter westlich liegende Mount Robson, mit 3954m der höchste Gipfel der kanadischen Rockies, hüllt sein Haupt weiterhin in einen Wolkenkappe. Egal. Für uns ist erst einmal relevant, dass wir die Daunenjacken, Mützen und Handschuhe wieder verstauen und auf leichtere Kleidung zurückgreifen können. Je tiefer wir ins Tal fahren, desto erträglicher, sprich milder werden die Temperaturen. Runter auf dem Highway 5 schaffen wir es bis Blue River, wo wir einen netten kleinen Campingplatz für die Übernachtung finden.

on the road againon the road

12.10.18

blankes Eis unter den Reifen verschneite Wanderwege Streifenhoernchen sucht Nahrung

DSC 0808Es hat die ganze Nacht über hörbar gegraupelt. Am Morgen geht die Völkerwanderung in Richtung Sanitärgebäude los, wir ziehen es vor, im Wohnmobil zu duschen. Bleigrau und wolkenverhangen der Himmel: Schneeluft! Der ideale Tag also, um längst überfällige Tätigkeiten wie Wäsche waschen, e-mails checken, Vorräte ergänzen etc. zu erledigen. Im Ort finden wir auf Anhieb eine Münzwäscherei, in der es nicht nur kuschelig warm ist, sondern die auch noch über ein hervorragendes WLAN verfügt. Ja, eigenartig zu lesen, dass es zuhause 25°C hat, man wird fast neidisch. Die für heute geplanten Wanderungen fallen jedenfalls flach, denn wir wollen nicht frierend auf matschigen Wegen im feuchten Wetterdunst umherlaufen,- immer darauf gefasst, einem grantigen, weil hungrigem Bären zu begegnen.

Nach der großen Wäsche schlendern wir bei Schneeregen durch den Ort, der doch etwas mehr zu bieten hat als zuvor Lake Louise. Später schwelgen wir im Kaufrausch: der hervorragend sortierte „Robinsons“ ist ein Supermarkt ganz nach unserem Geschmack: viel frische Ware, auch „organic“, duftende Backwaren, appetitliche Frischfleisch- und Wurstabteilung, jede Menge Auswahl an Käse. Schnell und gerne kompensiert man die angesichts schlechter Wetterbedingungen mangelnden Bewegungsmöglichkeiten mit gutem Essen. In diesem Zusammenhang erwähne ich auch gerne, dass das Küchenequipment in unserem Wohnmobil überdurchschnittlich gut ist: manche Ferienwohnung, die wir schon gemietet hatten, verfügte nicht über diese gute Auswahl an Küchengerät: von solidem Geschirr und Besteck über ausreichend Töpfe und Pfannen inkl. Wasserkessel bis hin zur Teekanne aus Porzellan, Isolierkanne, Kaffeefilter, Weingläser….die Leute, die diese Wohnmobile ausstatten, scheinen sehr kompetent zu sein!

11.10.18

Columbia Icefield 1Columbia Icefield 2Icefields ParkwayIcefields Parkway 1Icefields Parkway 2Icefields Parkway 4

Der Icefields Parkway,- ein Höhepunkt unserer Reise! Die 230km lange Strecke von Lake Louise hinauf nach Jasper schaffen wir gut an diesem Tag. Bis auf ein paar kleinere Rundgänge an exponierten Stellen, wo die Wege ausnahmsweise NICHT gesperrt sind, ist es eine reine Autofahrt. Dafür aber mit gigantischen Ausblicken! Wäre der Himmel dazu noch wolkenlos, könnte man es als perfekt bezeichnen, aber wir wollen nicht undankbar sein und genießen deshalb - mit gefühlt Tausenden weiteren Parkway-Drivern - den Anblick des Columbia Icefields ;-)

Gegen Abend erreichen wir Jasper und den einzigen Campingplatz im Umkreis von mehreren hundert Kilometern, der den Winter über geöffnet hat. Was allerdings nicht zwingend „full service“ bedeutet, aber immerhin gibt es eine Dumping (=Entsorgungs-)Station die nicht zugefroren ist und einen einzigen Wasserhahn außen am Sanitärgebäude, über den man den Frischwassertank befüllen kann. Die Stellplätze für die Wohnmobile und Trailer,- eine asphaltierte Fläche vor besagtem Gebäude -, sind schnell voll, was bleibt, sind dann die lauschigen Stellplätze im Wald. Dorthin müssen diejenigen ausweichen, die zu spät kommen, oder die sowieso nur ein Zelt zum Schlafen haben, aber immerhin hat es dort Feuerstellen. Das sollte ja die Bären abhalten, vor denen auch hier – mal wieder – eindringlich gewarnt wird. Außerdem, so informiert man uns, seien auch Kojoten unterwegs, in Konkurrenz zu den Bären.

10.10.18

Winter im Banff NP Nicht nur der Bahnverkehr hat uns einen unruhigen Schlaf beschert,- es war auch die Eiseskälte! Zwar lassen wir die Standheizung auch nachts laufen, doch die Wärme kommt nicht so recht im Alkoven über dem Fahrerhaus an. Es muss in der Nacht heftige Minusgrade gehabt haben, das bestätigt sich erst recht, als wir bemerken, dass das Wasser im Spülbecken nicht mehr abläuft – der Abwassertank ist eingefroren! Wir fahren zur „Dumping-Station“ und machen das Ablaufrohr auf: tatsächlich kommt nicht viel raus. Was also tun? Gar nichts können wir tun, nur hoffen, dass der Eisklotz vielleicht während der Fahrt wenigstens antaut. Vielleicht hilft es auch, das Wohnmobil in die Sonne zu stellen? Heute ist es nämlich ausnahmsweise mal sonnig. Wir fahren die paar Kilometer hinauf bis zum Lake Louise, dem See, der dem Ort seinen Namen gab. Dort herrscht großer Andrang, der PKW-Parkplatz ist bereits voll, der Bus- und Wohnmobilparkplatz ebenfalls. Wir stellen uns in eine Lücke auf ein seltsam markiertes Stück Asphalt. Ob diese runde Markierung frei bleiben soll, wissen wir nicht…wir stellen uns drauf und machen sie damit unsichtbar.

Man kann die Lage des Sees eigentlich nur idyllisch nennen: eingerahmt von Bergriesen an drei Seiten (einer davon ist der komplett schneebedeckte Mount Victoria, 3464m ), an der vierten erhebt sich am Ufer der mächtige Bau des Fairmont Hotels. Offiziell heißt es Chateau Lake Louise und pflegt sein Image eines teuren Traditionshotels. Lt. Website des Hotels besitzt es 552 „luxury guest rooms“, und ja, es beherrscht diesen See enorm. Auf der „Seeterrasse“ vor dem Gebäudekomplex mit seinen Türmen tummeln sich die Menschen, erst weiter hinten, wo die Wanderwege los gehen, wird es ruhiger. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was hier in den Sommermonaten los ist, während der Hochsaison. Wir lassen den Rummelplatz hinter uns, spazieren vorbei am Denkmal für die Schweizer Bergführer, die hier zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Dienste für das erlauchte Hotelpublikum ausführten und streben dem Bergweg zum „Agnes Tea House“ zu. Die 3,4 km bis hinauf zur Hütte sind für uns eigentlich unter normalen Bedingungen eher ein Spaziergang. Was uns aber hier scheitern lässt ist der Untergrund: unter dem festgetretenen Schnee ist es spiegelglatt. Mit dem Profil unserer Wanderschuhe kommen wir nicht sehr weit, man braucht Spikes unter den Sohlen, und die haben wir leider nicht,- also: umkehren!

Der Weg zu einem Aussichtspunkt auf der gegenüber liegenden Seeseite ist gleich komplett gesperrt wegen Schnee. Also begnügen wir uns halt mit dem Uferweg. Immerhin: je weiter der vom Hotelkomplex weg führt, desto weniger ist er frequentiert. Allerdings, so wird man informiert, gibt es einige Wanderwege, die man nicht allein, nicht zu zweit und auch nicht zu dritt, sondern mindestens zu viert begehen darf: aufgrund der Bärengefahr!

Eines hat uns dann auch noch verblüfft: Die Ortschaft Lake Louise liegt auf 1536m Höhe (und ist damit die höchst gelegene Gemeinde Kanadas), der See liegt knapp 200m höher (auf 1731m). Dazwischen viel Wald…aber die Canadian Pacific Railway, die hört man bis hier hinauf!

Im Visitor Center an der Samson Mall machen wir uns über unsere nächste Etappe, den Icefields Parkway schlau, der die beiden Nationalparks Banff und Jasper miteinander verbindet. Wir würden gerne schon heute ein Stück weit fahren, doch leider gibt es bis Jasper hinauf keinen einzigen offenen Campingplatz mit Service (also Entsorgung, Wasser etc.). Das ist uns angesichts der Temperaturen (lt. Wetterbericht soll es kommende Nacht bis -10°C runter gehen) dann doch zu heikel, denn man soll die Standheizung nur betreiben, wenn man ans Stromnetz angeschlossen ist. Deshalb entschließen wir uns schweren Herzens, noch eine zweite Nacht in Lake Louise auf dem NP-Campingplatz zu bleiben – in Gleisnähe, wie gehabt.

Lake Louise 1   Lake Louise 2   Lake Louise u.Umgebung 2   Lake Louise u.Umgebung 5

 

09.10.18

Wir haben es gestern bis zur Ortschaft Golden geschafft, nachdem wir zuvor den Glacier Nationalpark durchfahren und den Rogers Pass überquert hatten. Der Highway zieht meist drei- bis vierspurig durch die Bergwelt der Rocky Mountains, die hier schon Höhen von 3000m überschreiten (z.B. Mount Rogers, 3185m und Mount Sir Donald, 3297m). Nicht nur auf den Bergspitzen liegt der Schnee, nein, er hat bereits die Wälder an den Bergflanken erreicht,- vor kurzem war hier Wintereinbruch. Golden liegt am Kicking Horse River, der hier sich hier ein Kilometer breites Bett geschaffen hat, durch das er jetzt im Herbst eher harmlos mäandert. Wie er sich zur Schneeschmelze im Frühjahr gebärdet, kann man sich angesichts des vielen Schwemmholzes gut vorstellen: da sind Gerippe von echten Baumriesen zu sehen. Wir finden auf dem Campingplatz der Gemeinde direkt am Fluss einen schönen Stellplatz. Genau gegenüber verlaufen die Schienenstränge der Canadian Pacific Railway, denen wir schon seit Salmon Arm gefolgt sind. Die Züge transportieren vor allem Waren in großen Containern (manchmal 2 übereinander) und sind unglaublich lang. Ich zähle bei einem 145 Waggons, dazu 4 Lokomotiven: zwei vorne, eine in der Mitte und die letzte ganz hinten. Wieder so ein Beispiel für die Dimensionen in diesem Land: alles ist mehrere Nummern größer als in Europa.

Ab Golden folgen wir weiter dem Transcanada Highway/Highway No.1 immer weiter hinauf in die Rockies. Die Straße ist trocken, aber links und rechts von ihr tür,em sich schmutzige Schneehaufen, das Wasser, das von den Bergen runterrinnt, ist zu ganzen Kaskaden von Eiszapfen gefroren. Wir sind bereits im – vergleichsweise kleinen - Yoho Nationalpark angelangt, der sich im Osten an der Grenze zu Alberta an den großen Banff Nationalpark anschließt. Als wir in Field aussteigen, das aus einer Bahnstation der Canadian Pacific Railway entstand und wunderschön an einer breiten Stelle des Kicking Horse River liegt, pfeift uns ein eisiger Wind um die Ohren. Das heißt: Winterklamotten raus, Handschuhe, Mütze, Leggins unter die Jeans. Ein paar Fahrminuten außerhalb von Field schlagen wir die Route zum Emerald Lake ein, machen zunächst einen Abstecher zur „Natural Bridge“, die der Kicking Horse River in Jahrtausenden durch gewaltige Bewegungen geschaffen hat: zwei Felsklötze berühren sich am oberen Ende in einem spitzen Winkel – fast! Darunter durch rauscht das türkisfarbene Wasser des Flusses in ein natürliches Becken, ehe es seinen Weg über geriffelte Felsen weiter fortsetzt. Schön, dass die Nationalparkverwaltung an exponierter Stelle eine Holzbrücke über den Fluss gebaut hat, damit man den besten Blick auf die Felsenge werfen kann. Der Steg ist vereist, genauso wie der Wanderweg, der dahinter in den märchenhaft schönen Wald führt. Hier sind es die charakteristischen Hemlock Tannen: sehr groß, sehr schlank. Sie prägen das Bild überall in den Rockies.

Am Emerald Lake liegt wunderschön, umgeben von den Bergriesen und dichten Wäldern, sein Wasser schimmert smaragdfarben. Auf Fotos sieht das sehr kitschig und unecht aus, wenn man aber selbst am Ufer des Sees steht, kann man über die Farbe nur staunen. Die Fotoapparate klicken, die Handys und Tabletts werden positioniert, und ganz professionell macht es eine Gruppe asiatischer Touristen, die in einem etwas weniger sumpfigen Uferbereich Stative aufgestellt hat. Wir gehen über den Holzsteg hinüber zur Emerald Lodge, einer geschmackvollen Unterkunft, die aus vielen, im Wald verteilten Holzhäusern besteht. Man möchte direkt einziehen in eines der Häuschen, und auf der Holzveranda sitzend den Blick auf den See genießen bzw. sich abends am Holzfeuer im Kamin erfreuen…im Haupthaus tun das bereits viele Touristen. Die beiden großen, aus Natursteinen gemauerten Kamine sind befeuert und strahlen eine wohlige Wärme aus.

Emerald Lake Amateurfotografen   Emerald Lake   Field Natural Bridge   Kicking Horse River

Für den Seerundweg, den man bei normaler Witterung innerhalb von 2 Stunden problemlos bewältigen kann, benötigt man heute Gummistiefel mit hohem Schaft…wir drehen um, als uns der Matsch des durch die nasse Witterung aufgeweichten Pfads oben in die Wanderschuhe reinzudrücken droht und begreifen, zurück am Wohnmobil, allmählich den Sinn der Außendusche.

Oben am 1627m hohen Kicking Horse Pass herrscht Weltuntergangsstimmung: bleigrau der Himmel, eisig der Wind und unendlich lang der Stau vor einer Baustelle. Immer wieder wird an Stellen, wo es für Straße und Geleise eng wird, der Fels in großem Stil abgetragen, sprich: gesprengt. Klar, dass dann keine Fahrzeuge passieren dürfen. Ob auch die Züge, die hier hinauf in zwei spektakulären Tunnelkehren („Spiral Tunnel“ gebaut bereits im 19.Jh.) gelangen, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls ist eine ganze Weile das charakteristische Hupen und Tuten der Eisenbahn nicht mehr zu hören.

In Lake Louise sind die Zufahrtswege zu den Stellplätzen des Nationalparkcampingplatzes (der als einziger noch nicht geschlossen hat) derartig vereist, dass wir nur mit allergrößter Vorsicht rangieren können. Zwar hat das Wohnmobil selbstverständlich Winterreifen drauf (in Kanada Pflicht von Oktober bis März), jedoch bei vereister Fläche nützen auch die nicht viel. Dummerweise liegt der Campingplatz genau in der Mitte zwischen Bow River und Eisenbahntrasse, so dass man ständig den Bahnverkehr ertragen muss, der nachts anscheinend eine höhere Frequenz hat als am Tag. Aber wahrscheinlich empfinden wir das nur so. An gesunden Schlaf ist deshalb nicht zu denken.

08.10.18

DSC 0500Reißen die Wolken eigentlich jemals wieder auf? Wenigstens regnet es nicht, aber der kalte Wind pfeift uns um die Ohren, als wir am Three Valley Gap vor dem verschlossenen Tor einer alten bzw. wieder aufgebauten Goldgräbersiedlung stehen. Das Schild „Closed for season“ ist uns allmählich recht vertraut: nicht nur Campingplätze schließen hier in der Gegend meist schon Ende September, auch Sehenswürdigkeiten wie diese „Ghost Town“ rechnen wohl nicht mehr mit Besuchern im Oktober. Dabei sind wir doch bei weitem nicht die einzigen Touristen! Es sind nicht nur noch andere Wohnmobile unterwegs, auch Bussen begegnet man zuhauf. Das wird deutlich zum Beispiel in Revelstoke. Der Ort versteht sich als Eingangstor zu den Rocky Mountains und pflegt sein Image als Outdoor-Mekka mit einer hübsch herausgeputzten „Grizzly Plaza“, flankiert von lebensgroßen Bärenskulpturen, vor denen sich einfach jeder ablichten lassen muss. Ein Wunder jedenfalls, dass wir es geschafft haben, die Bären ohne Menschen zu fotografieren. Dabei ist jetzt auch hier totale Nebensaison. Das Visitor Center hat zwar theoretisch durchgehend von morgens 9:00 bis nachmittags 17:00Uhr geöffnet, aber wir rütteln dennoch vergeblich an der Tür, das erste Mal um 12:45Uhr, ein zweites Mal um 13:10Uhr. Irgendjemand meinte „they close for lunch“.

Lachswanderung 1Wir schlendern also etwas ratlos durch das herausgeputzte Städtchen und betreten eher aus Langeweile ein Cafe´. Kaffee, das haben wir schon in Vancouver festgestellt, ist ein absolutes „In“-Getränk in Kanada. Da experimentieren junge Leute mit allerlei Bohnen herum, rösten sie in allen Schattierungen von hellgolden bis tiefkohlebraun, pressen das Mahlgut durch dampfende, zischende Maschinen oder lassen es stundenlang durch feinporige Filter laufen und geben dem Extrakt am Ende fantasievolle Namen wie „Batch Brew Drip“, worunter sich unsereins so gar nichts vorstellen kann….in diesem speziellen Fall ist es so, dass ein enthusiastischer junger Mann auf meine Frage, was denn der Unterschied zu einem normalen Kaffee sei, mir wortlos ein Glastässchen mit einer Probe des „Batch Brew Dip“ vorsetzt. Der Inhalt ist durchsichtig, würde bei uns „Blümchenkaffee“ heißen, und genauso schmeckt er auch: wie dünne Kaffeeplörre eben. Ich schaue ihm eine Weile zu, wie er diesen speziellen Kaffee, den hier offensichtlich alle haben wollen, macht. Zuerst lässt er heißes Wasser in Tassen laufen, dann gießt er konzentrierten Kaffee dazu, und das war es auch schon! Okay, denke ich, und bestelle zwei „Americano“, was noch am ehesten an unsere Vorstellungen eines Kaffees herankommt.

Lachswanderung 2Mein persönlicher Tageshöhepunkt: die Lachswanderung am Eagle River. Es ist wieder so eine Situation wie bei der Begegnung mit dem Bären: Leute stehen am Straßenrand und starren in die Landschaft. Hier starren sie auf den Fluss, der an dieser Stelle recht nah an der Straße verläuft und nicht sehr tief ist. Im glasklaren Wasser sieht man Hunderte, nein, es müssen Tausende sein, von Fischen mit grauem Kopf und rotem Körper,- wohl eine ganz besondere Lachsart -, die gegen die Strömung kämpfen, um flussaufwärts zu kommen. In kleineren Gruppen schwimmen sie den Fluss hinauf, queren seichte Stellen und Höhenunterschiede. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, denn man kann sehr gut beobachten, wie immer wieder „Helferfische“ den Schwächeren und Kleineren zu Hilfe kommen, indem sie sie Flossen schlagend antreiben. Allen hilft das allerdings nicht, immer wieder sichtet man liegen gebliebene, tote Exemplare, die es nicht geschafft haben. Jetzt rechne ich eigentlich mit hungrigen Bären, die sich diese Delikatesse nicht entgehen lassen möchten….

07.10.18

DSC 0653

Gibt es irgendwas über Vernon zu sagen? Einer der beiden Reiseführer findet es nicht der Erwähnung wert, der andere beschreibt lediglich die Wandgemälde in der Innenstadt, die die Geschichte des Ortes bildlich darstellen. An diesem etwas trüben Sonntagvormittag sind die wenigen quadratisch angelegten Straßenzüge von Vernon nahezu menschenleer, die Geschäfte geschlossen. Die wenigen „Murals“ haben wir auf einem Spaziergang schnell abgeklappert, der beißende Wind treibt uns danach zurück ins Wohnmobil und wieder auf die Strecke nach Norden, das Okanagan Tal hinauf bis Salmon Arm. Hier trifft die 97er wieder auf den Highway 1, dem wir nach einem Einkauf im „Walmart“ (auch hier ist Mehl nicht in kleineren Packungen als 2,5kg zu bekommen, also wird es wieder nichts mit den Pfannkuchen) bis Sicamous folgen. Von dort aus geht es ins Tal des Eagle River, und man bekommt schon eine Ahnung von der immer ursprünglicher und gebirgiger werdenden Gegend. Ein kleiner privater Campingplatz direkt am Fluss ist unsere Bleibe für diese Nacht.

06.10.18

PA060063Wir könnten jetzt den Highway 5 nach Norden nehmen und somit schnell nach Merritt und Kamloops gelangen, auf der Zielgeraden in die Rockies, zu den großen Nationalparks. Machen wir aber nicht, wollen wir nicht. Der Weg ist das Ziel, und deshalb wählen wir die Strecke durch den Manning Park, einen eher kleinen Naturpark westlich von Hope, der im Süden an die USA grenzt. Schönes Bergpanorama, blauer Himmel, Nadelwälder mit gelbbunten Farbklecksen dazwischen,- das sind die Laubbäume im Herbstkleid, Postkartenansichten also an diesem Tag. Der Highway 3 schlängelt sich immer mal wieder an einem Gebirgsbach (von den Ausmaßen her wäre es bei uns eher ein Gebirgsfluss) entlang. Ekke sitzt am Steuer, ich kann Landschaft gucken und sehe Leute am breiten Seitenstreifen stehen und ins Gelände schauen. Da sehe ich es auch und schreie gleich: ein Bär! Also stoppen, Kamera zücken, an die Stelle laufen, wo das Pelztier zu sehen ist. Keine 50 Meter von der Straße entfernt trottet es (ein Schwarzbär?) in einem ausgetrockneten Bachbett und wühlt mal hier und mal da mit der Schnauze im Kies. Von uns Menschen lässt der Bär sich dabei gar nicht stören, hebt zwar ein paar Mal den Kopf und schaut in unsere Richtung, nimmt aber ansonsten keine Notiz von uns und verschwindet schließlich im Unterholz. Schlagartig vergeht mir die Lust auf einen Waldspaziergang an diesem schönen Tag….der Respekt vor dem Bär ist größer als der Bewegungsdrang. Später lese ich im Reiseführer, dass die Bären im Herbst vor allem damit beschäftigt sind, sich genügend Winterspeck anzufressen, um den Winter zu überstehen. Dabei kommen die Tiere entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten nicht nur in der Dämmerung aus der Deckung, sondern auch am helllichten Tag. Es war also gar nicht so dumm, im Fraserway Laden dieses Glöckchen gekauft zu haben, das man sich an den Wanderrucksack schnallt, - das kriegt jetzt eine andere Dimension: ist nicht nur lustig, sondern tatsächlich notwendig.

All die schönen Picknickplätze entlang der Strecke sind mit schweren, bärensicheren Müllbehältern aus Metall ausgestattet, und Schilder weisen an vielen Stellen darauf hin, dass man keinesfalls Essensreste zurücklassen darf. Wir haben es ohnehin vorgezogen, unseren Imbiss im Wohnmobil zu uns zu nehmen ;-)

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Beim Ort Kaleden haben wir das Obst- und Weinbanbaugebiet Westkanadas erreicht. An den Ufern des langgezogenen Okanagansees liegen wunderschöne Weingüter und Obstplantagen, überall am Straßenrand kann man sich mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen eindecken, insbesondere - zu dieser Jahreszeit -mit Kürbis. Wir lassen uns gerne zum Kauf verführen, zumal es weitaus günstiger als im Supermarkt ist, und decken uns bei den Bauern mit reichlich Obst, Gemüse und Kartoffeln ein.
Die Suche nach einem Campingplatz gestaltet sich an diesem Samstag sehr schwierig: viele haben jetzt im Oktober, bereits geschlossen, andere, insbesondere die direkt am Seeufer liegenden, sind unfassbar teuer oder bereits belegt. Wir fahren deshalb bis hinauf nach Vernon, wo wir schließlich bei Einbruch der Dunkelheit einen RV-Park „nur für Erwachsene“ finden. Das Büro ist zwar hell erleuchtet, aber verschlossen, kein Mensch ist zu sehen. Die Anlage scheint eher ein Containerdorf zu sein mit hübschen Vorgärten, Gartenzäunen, Satellitenschüsseln auf den Blechdächern, Carports. Wir sind ratlos und stellen unser Mobil schließlich auf einem Parkplatz innerhalb der Anlage ab. Für diese Nacht wird es auch mal ohne Strom- und Wasseranschluss gehen.

05.10.18

DSC 0476Es klappt alles einwandfrei: die Abholung am Hotel, der Transfer runter nach Annacis Island zu "Fraserway", die Einweisung in die Materie, sprich das Wohnmobil, das für die kommenden 12 Tage unser Zuhause sein wird. Obwohl wir selbst 12 Jahre lang ein Alkovenwohnmobil gefahren haben, kommt mir dieses Exemplar hier riesig, um nicht zu sagen gewaltig vor. Es ist mit allem nur erdenklichen Luxus ausgestattet: großer Kühlschrank mit Eisfach, 3-Flammen-Gasherd, Backofen, Mikrowelle, Standheizung, Klimaanlage (werden wir kaum benötigen...), Nasszelle, GPS, WLAN....Ich darf das Monstrum vom Hof fahren, denn Ekke, der Mann an meiner Seite und treue Reisegefährte seit Jahrzehnten weigert sich schlicht und ergreifend, dies zu tun, weil der Kopf brummt von all den Erläuterungen und Einweisungen ins Fahrzeug. Der Ford hat ein Automatikgetriebe und lässt ein tiefes, grollendes Brummen hören, als ich den Zündschlüssel drehe. Mit dem nötigen Respekt ausgestattet rolle ich auf die Zufahrtsstraße zum Highway Nr. 1. Nicht zwei, nicht drei, sondern vier Spuren sind es pro Richtung. Megatrucks ziehen an uns vorbei, teils mit bis zu acht Achsen, was eine Ahnung von den Dimensionen dieses Landes aufkommen lässt. Irgendwann liegen die Satellitenstädte hinter uns und die Landschaft wird offener, Berge rücken heran. Bis Chilliwack haben wir uns an das neue Fahrgefühl gewöhnt, die Tagesetappe ist Hope, ein Provinznest am Fraser River, wo wir uns mit Lebensmitteln eindecken (wenn auch mühsam, angesichts bescheidener Einkaufsmöglichkeiten) und für die Nacht auf einem kleinen, privaten Campingplatz verbleiben.

 

04.10.18

PA040055Herrliches Wetter heute! Ideal für einen Ausflug auf Granville Island, wo es täglich einen schönen Indoor-Markt geben soll. Mit kleinen Bötchen fährt man von der Anlegestelle am Sunset Beach aus unter der Burrard Brücke hindurch, vorbei an ausgedehnten Jachthäfen auf die Insel im False Creek, oder korrekter gesagt, Halbinsel, denn sie hat auf der Südseite Landverbindung. Der Indoor-Markt entpuppt sich als etablierter Delikatessenmarkt, erinnert etwas an die "Markthalle" in unserer Heimatstadt Freiburg, wo man all die Köstlichkeiten auch gleich genießen kann. Allerdings, und das ist es, was uns immer davon abhält, es den Einheimischen gleich zu tun: alles wird auf Plastikgeschirr gereicht, muss mit Plastikbesteck gegessen, Flüssiges aus Pappbechern getrunken werden.  

Das schmeckt uns im wahrsten Sinne des Wortes überhaupt nicht und lässt uns beim Gedanken an die dabei entstehenden Müllberge einfach nur schaudern. In die umliegenden ehemaligen Fischerbaracken sind heute Kunstgewerbegeschäfte eingezogen, jedenfalls will man es so verstanden wissen. Was wir sehen ist allerdings viel Ramsch und Kitsch, anderes, Ansprechendes, scheint uns hingegen überteuert. Auf der Downtown-Seite spazieren wir die schön angelegte Uferpromenade entlang. Die Laubbäume, meist verschiedene Ahornarten, sind größtenteils im bunten Herbstkleid, im Hintergrund glitzern die Glasfasaden der Wohntürme in der Sonne. Kein bißchen Großstadttrubel ist hier zu spüren, einfach nur ruhige Beschaulichkeit.

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Das ist kein Zufall, gilt Vancouver doch als glänzendes Beispiel vernünftiger, nachhaltiger und sozialer Stadtplanung. Investoren sind willkommen, werden in die Planung mit einbezogen, aber letztlich entscheiden, was und in welchem Umfang und Maß gebaut wird, tun alle gemeinsam. Alles mit dem Ziel, dass die Innenstadt nicht zur toten Business-City verkommt, sondern für alle Bevölkerungsgruppen von jung bis alt als Lebenswelt attraktiv bleibt. Tatsächlich sind die Straßen und Plätze abends belebt, hier wohnen Familien, junge Leute, Ältere. Die Infrastruktur ist für alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen geeignet mit Schulen und Kindergärten, medizinischer Versorgung, Einkaufs- und Zerstreuungsmöglichkeiten, Spielplätzen und Grünanlagen (auch "urban gardening" ist sehr präsent). All das umgeben von Wasser: der Pazifik mit seinen Meeresarmen, die weit hineinreichen ins Land, und der Fraser River, der hier mündet.

 

03.10.18

Was einem auffällt, wenn man in Vancouver unterwegs ist: es gibt viel Grün in der Stadt. Außerdem ist Downtown überschaubar. Verglichen mit anderen Metropolen ist der Business-Distrikt eher klein, mit einer geringen Anzahl an Wolkenkratzern, und insgesamt geht es wesentlich beschaulicher zu. Wir hatten am Ankunftstag mal eben "unser" Quartier, das Westend zu Fuß erkunden wollen und waren zuletzt ohne große Anstrengung im Geschäftsviertel gelandet, einfach die Denman Road in nordöstliche Richtung, dann rechts in die Robson Street eingebogen und nicht lange danach standen wir vor den ersten Hochhäusern. Zu dem Zeitpunkt bereits bepackt mit allerlei Lebensmitteln, die man halt so braucht, wenn man nicht dauernd einkehren will bzw. kann (sonst wäre unser Budget angesichts der Preise schnell überzogen!). Unser Zimmer verfügt über einen recht großen Kühlschrank, eine Mikrowelle, eine Kaffeemaschine,- Standart für hiesige Verhältnisse, und enorm kundenfreundlich bzw. praktisch. Wir schleppen Getränke, Obst, Brot und Brotbelag nach Hause. Abends fällt uns die Entscheidung schwer: wo sollen wir essen gehen? Es gibt chinesische, indische, vietnamesische, Thai-, griechische, italienische, persische, marokkanische und türkische Restaurants...eine unglaubliche Auswahl und gleichzeitig Spiegel der hiesigen Ethnien. Ich verrate es gern: wir haben uns für vietnamesisch entschieden und wurden nicht enttäuscht.

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Heute dann bei eher trübem Himmel und Temperaturen fast im einstelligen Celsius-Bereich über die Robson Street wieder runter ins Herz von Downtown, um den "must-see" Parcour zu absolvieren. Da ist z.B. das "Marine Building", einstmals (1930) mit knapp 100m Gebäudehöhe das höchste Haus in der Stadt. Das allein   macht ja noch nichts her, aber der Baustil, herrlich verspieltes Art-Deco lässt es umgehend zu meinem Lieblingshaus in Vancouver werden (lt. Reiseführer soll es sogar eines der schönsten in ganz Nordamerika sein, aber das ist ja immer subjektiv). Wie hat man noch schön gebaut in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nicht nur mit edlen Materialien, auch mit ästhetischen Elementen. Allein die Fassade mit den Reliefsteinen und Friesen, die neben maritimen Motiven - sehr modern für die damalige Zeit! - technische Motive wie Eisenbahnen, Schiffe und Flugzeuge (u.a. ein Zeppelin) zeigen, - das ist schon außergewöhnlich.

Eine Steigerung des Ganzen ist das Eingangsportal. Hier setzt sich das Meeresthema fort: Muscheln, Fische, Seesterne, Wale, Delphine, Korallen, Wasserschildkröten, Seevögel aber auch Schiffe (solche, die es wirklich gegeben hat: nämlich die von berühmten Entdeckern). Hat man durch eine Messingdrehtüre das Innere des Gebäudes betreten, zieht einen das Raumprofil in seinen Bann: es soll dem Inneren eines Mayatempels nachempfunden sein soll. Die Beleuchtung zu beiden Seiten der Halle greift thematisch wieder das Meer auf: jede Wandlampe - ein Schiffsbug, bei manchem dahinter als Relief die Segel. Man kann nicht mehr aufhören zu schauen und zu staunen.

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Sehr nüchtern wirkt dagegen der "Waterfront-Bereich" der Stadt rund um den Canada Place. In Vancouver fand 1986 eine Weltausstellung statt, und aus diesem Anlass baute man den kanadischen Pavillon direkt am Wasser auf einem spitzwinkligen Grundriss und mit einem Dach, das geblähten Segeln nachempfunden ist. Zum Gebäudekomplex gehören Konferenzräume, ein Hotel, ein Kino und die Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe (wie gut, dass wir das hier schon mal auskundschaftet haben, dann wissen wir ja später, wo wir hin müssen). DSC 0380Ebenfalls an der Waterfront: das riesige Ausstellungs- und Kongresszentrum der Stadt mit dem Platz, an dem an vier riesigen, ineinander verkeilten Metallstelen 2010 das olympische Feuer für die Winterspiele entzündet wurde. Schön finde ich die Aussicht von der Promenade der Waterfront auf den Burrard Inlet, einen Fjord bzw. Meeresarm des Pazifik und die dahinter liegenden Berge. Unterhalb der Promenade liegen die Wasserflugzeuge an den Stegen. Immer wieder starten welche in eleganten Bögen übers Wasser, andere kommen an. Ein Ausflugsschff mit Schaufelradantrieb dreht ebenfalls seine Runden auf dem Wasser.

Wir schauen uns noch "Gastown", das älteste Stadtviertel Vancouvers an und finden uns rasch in Gesellschaft vieler anderer Touristen. Die meisten kommen aus China, so wie übrigens ein sehr großer Teil der Stadtbevölkerung von Vancouver auch. Als Ende der 1990er Jahre Hongkong an die Volksrepublik China zurück gegeben wurde, wanderten sehr viele (meist wohlhabende) Hongkong-Chinesen nach British Columbia / Vancouver aus und prägen heute entscheidend das Stadtbild.

 

02.10.18

Fast 10 Stunden dauert der Flug von Frankfurt nach Vancouver. Wir haben uns gegen Aufpreis die Plätze am Notausgang geleistet,- ein Segen, dass man hier die Beine ausstrecken und ein bißchen dösen kann, aber selbst in den regulären Economysitzreihen hat man mehr Beinfreiheit als bei der Lufthansa oder gar der Condor.... Vom Service bei Air Canada sind wir auch sehr angetan: es gibt mehrere Mahlzeiten, und der Getränkewagen kommt wesentlich öfters durch als erwartet. Zusätzlich geht regelmäßig jemand mit Wasser durch und ermuntert zu trinken. Das ist bei der höllisch trockenen Luft in der Kabine auch wirklich notwendig.  

DSC 0303Nach MSZ ist es 20:00Uhr abends, als die Maschine in Vancouver landet. Mit kratzigem Hals und trockenen Schleimhäuten sowie verschwollenen, rotgeränderten Augen laufen wir ins helle, großzügig mit künstlicher Landschaft (inlusive kleinem Bachlauf) gestaltete Flughafengebäude. Mit der Einreise klappt es ratz-fatz: in weniger als einer Stunde sind wir durch, haben unser Gepäck und sind auf der Zielgeraden zur SkyTrain, dem Schnellzug vom Flughafen in die Innenstadt. Auf der rasanten Fahrt durch Vorstädte, Industrieanlagen und diverse Gewässer fällt mir schon auf, wie viel Grün es hier hat. An der Yaletown Roundhouse Station steigen wir aus und sind direkt in der Davie Street, wo unser Hotel ist. Zu Fuß dahin zu kommen ist aber indiskutabel, denn das Best Western Plus Sands liegt am komplett anderen Ende dieser Straße. Es gibt passenderweise einen Bus, für den wir unpassenderweise aber leider keine Münzen haben...(man muss zwingend mit Coins zahlen, wird uns erklärt). Okay, dann muss halt ein Taxi her, beim ersten Winken steht schon eines da. Hey, wie super hier alles klappt!

 

30.09.18

PA010004Das Reisefieber steigt. Wie um alles in der Welt sollen wir den Berg an Kleidung, Ausrüstung etc. in zwei Standartkoffern zu je 23kg unterbringen? Die Schwierigkeit ist dieses Mal, dass wir vieles für einen langen Zeitraum benötigen UND für unterschiedliche Klimazonen von Kanada bis Mexiko. Diese Reise haben wir vor mehr als einem Jahr geplant und z.T. gebucht, mit versierter Unterstützung von CANUSA, einem Spezialveranstalter für Nordamerika. In 5 Wochen werden wir alles mögliche "ausprobieren": mit einem Wohnmobil British Columbia und Alberta bereisen, ein Schiff besteigen, das den Pazifik bis runter nach Mexiko fährt und zuletzt im Südwesten der USA, wo wir schon mehrmals gereist sind, mit dem Mietwagen eine kleine Rundreise machen. Das stellt einen dann schon vor Herausforderungen. Wir packen also ein und wieder aus...müssen uns zuletzt doch von einigem trennen, was zuviel ist. Wie haben wir das eigentlich früher im analogen Zeitalter gemacht, als man auch noch Bücher, Filmmaterial usw. einpacken musste?