Südfrankreich

Hinein ins Marktgetümmel

Wie schön es doch ist, das Frühstück auf der Terrasse einnehmen zu können! Mehr noch: ich muss mir vom Hausmeister einen Sonnenschirm geben lassen, weil die Butter sonst wegschmelzen würde. Ja, das ist unser Wetter, denke ich, als wir wenig später bei geöffneten Scheiben im Wagen sitzen und die wenigen Kilometer hinüber nach Sommieres fahren. Es ist Samstag, es ist Markttag, und entsprechend voll ist der Parkplatz und sind die Brücken, die über den Vidourle-Fluss in die Altstadt führen. Dieses heute träge dahin fließende Gewässer hat den Einwohnern des Städtchens schon arges Ungemach bereitet, wenn es, was doch immer mal wieder vorkommt, über die Ufer tritt. Zuletzt 2002, da stieg das Wasser so hoch, dass sogar die ursprünglich aus der Römerzeit stammende Hauptbrücke und die gesamte untere Altstadt überschwemmt wurden. Das Wasser erreichte in dem Jahr sogar die im ersten Stockwerk gelegenen Wohnungen der (aus genau diesem Grund) auf Arkadenbögen gebauten Häuser. Heute spürt man nichts von einer solchen Bedrohung: die Marktstände zu beiden Seiten der Uferstraße und der angrenzenden Gassen sind dicht bevölkert. Es duftet nach Knoblauch, Brathähnchen und frischen Backwaren. Auf den Verkaufstischen stapeln sich die frisch geernteten Gemüse der Saison. Wir halten nach Spargel Ausschau, der hier mit grün-violettem Kopf und etwas krummer als nach EU-Norm vorgeschrieben präsentiert wird. Artischocken und Ochsenherz-Tomaten lachen uns ebenfalls an, und wir sind noch gar nicht beim Käse angelangt…

Folgt man der Uferstraße, gelangt man auf den Vorplatz der Arena, wo unter Platanenreihen der Flohmarkt stattfindet. Es ist eher ein „Brocante“, als ein „Vide-Grenier“: es sind also kaum Verkäufer zu finden, die einfach nur ihre Dachböden leer kriegen wollen, sondern vor allem Profis, die sehr wohl wissen, was sie haben, und entsprechende Preise dafür verlangen. Da heißt es feilschen, damit am Ende das Gewünschte den Besitzer wechselt. Bei mir ist es ein Reise-Quartettspiel aus der Nachkriegszeit, das in der Souvenirvitrine im Büro seinen Platz finden wird.

Nach Beendigung des Marktes strömt alles in die Restaurants rund um den Marktplatz in der Altstadt. Austern sind hier seit Jahren der Renner bei den Gästen. Man genießt sie unter den schattigen Arkadenbögen oder an Tischen in der Sonne. Jeder Platz ist belegt, es ist kaum ein Durchkommen. Wir flüchten zum „Chateau Fort“ hinauf, von wo aus man nicht nur einen schönen Blick über das bezaubernde Dächermeer hat, sondern wo man auch gemütlich an Picknicktischen sitzen und Brotzeit machen kann. Das zweite Frühstück, oder wohl eher die Mittagsmahlzeit besteht aus mitgebrachtem Kaffee, buttrigen Croissants, süßen Erdbeeren, würzigem Käse und knusprigem Baguette,- Wohlbehagen zieht durch Körper und Geist, es fühlt sich nicht nur so an,- es IST das viel zitierte „Leben wie Gott in Frankreich“

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endlich unterwegs in den Süden

Herrliches Reisewetter: angenehme Temperaturen, Sonne, blauer Himmel- Wir starten gegen Mittag und füllen in kluger Voraussicht den Tank noch einmal voll, denn die Spritpreise in Frankreich sind ähnlich hoch wie bei uns, eher noch höher. Auf Autobahnfahrten verzichten wir weitgehend, denn erstens haben wir durch die Zwischenübernachtung reichlich Zeit, zweitens ist der frühlingsgrüne Jura einfach zu schön, um achtlos daran vorbei zu rasen. Entlang der Doubs-Schleifen passieren wir altvertraute Orte: Isle-sur-le-Doubs, Baume-les-Dames, Clerval….hier sind wir früher fast jedes Wochenende im Sommer in die tropfsteinglitzernde Unterwelt hinab gestiegen, lang, lang ist’s her. Südwestlich von Arbois ahnt man schon die Ebenen der Bresse, wo die glücklichsten Hühner Frankreichs zuhause sind, und schon sind wir in der Hauptstadt der Region, in Bourg-en-Bresse angekommen, wo wir für eine Nacht Quartier beziehen.

Leider gab’s Probleme mit dem Telefonnetz: die Telefone der Mitreisenden funktionieren einwandfrei, nur meines will einfach keinen Netzanschluss finden. Ob es an der neuen SIM-Card liegt, die ich erst kürzlich, nach einer Vertragserneuerung zugeschickt bekommen hatte? Zumindest bescherte mir dies einen störungsfreien Reisetag. Aber dann, nach enervierend langen Telefonaten mit dem Vertragspartner in Deutschland und kuriosen Begründungen, warum es nicht funktioniert, hatte es um Mitternacht plötzlich wieder Anschluss gegeben und das Smartphone vibrierte endlos. Auch das e-mail Postfach lief wieder mal über (grrr---man darf eigentlich nie verreisen!). Die jüngere Generation ist längst „en Route“ während ich noch mit Kundenanfragen kämpfe und mit Geschäftspartnern kommuniziere. Am späten Vormittag dann endlich die Mittagssonne vor der Haube, rein in das Lyoner Umfahrungsstraßenlabyrinth, das Navi leitet uns ja zum Glück. Als dann die Kühltürme der Kernkraftwerke bei Pierrelatte und Bollène endlich hinter uns liegen, wollen wir nur noch eins: ankommen!

Es ist perfekt: unsere Miethäuschen liegen direkt nebeneinander. Das Feriendorf ist, wie immer um diese Zeit, zu nicht mehr als einem Drittel belegt. Es ist ruhig, es ist lau, der erste Pastis auf der Terrasse schmeckt, wie er schmecken soll: nach Urlaub, nach Süden, nach Frankreich!

Vorfreude

Nur noch wenige Tage

Der Sohn und seine Lebensgefährtin werden sich uns anschließen. Wir sitzen zusammen, die Köpfe über Karten und Reiseführer gebeugt, passend dazu einen französischen Roten im Glas. Wir werden die Anfahrt gemütlich auf zwei Reisetage verteilen. Vor Ort dann gibt es festgelegte Programmpunkte, die aufgrund terminlicher Vorgaben unabänderlich sind: Markttage zum Beispiel. Anderes ist Laune- und ggf. auch wetterabhängig. Die Kochkiste, 1 Kasten Bier, Wanderschuhe und Sonnenhut sind schon im Auto verstaut, fehlen noch die Kleidung und andere Sachen, die man unterwegs so braucht. Wir haben Routine im Packen, und jeder seine Verantwortlichkeiten.

 

Noch drei Wochen...

Der Abreisetermin rückt endlich näher. Wie jedes Jahr um diese Zeit fiebere ich dem Urlaub in Südfrankreich entgegen. Südfrankreich, das mir im Lauf von Jahrzehnten zur zweiten Heimat geworden ist. Südfrankreich, das dafür verantwortlich ist, dass dieses frankophile Gen in mir angelegt wurde, seit ich zum ersten Mal im jugendlichen Alter mit meinem Bruder und meinem Vater dahin gereist bin. Mein Vater interessierte sich für alte Gemäuer, vorzugsweise römische. Mein Bruder, eher noch im Kindesalter, begeisterte sich für Paläontologisches, also die Welt der Dinosaurier, und ich konnte nicht genug von den unterirdischen Welten der Tropfsteinhöhlen kriegen. Für all diese Neigungen hat Südfrankreich jede Menge zu bieten. Wir besuchten also das römische Theater von Orange, die Ausgrabungen in Vaison-la-Romaine und den Pont du Gard. Nach einem Regenschauer buddelten wir an einem Hang irgendwo bei Simiane-la-Rotonde Ammoniten und Belemniten aus. Und schließlich durfte ich in der Nähe von Grasse erste Erfahrungen bei einer Höhlenexkursion in einer unerschlossenen Höhle sammeln. Außerdem bestaunten wir die Kletterer an den Felsen der Verdonschlucht, versauten unsere Klamotten in den Ockerfelsen bei Rustrel und holten uns einen Sonnenbrand an der Côte d’Azur. Ich habe damals schon gespürt: dieses Frankreich, das wird eine Liebe für’s Leben! Und genauso kam es: ich kann kein Jahr ohne nicht mindestens einen mehrtägigen Abstecher ins Nachbarland überstehen. Wobei ich das Elsaß gar nicht richtig mitzähle (die Elsäßer mögen mir das verzeihen!), da es ja vor unserer Haustür liegt, also quasi zur heimatlichen Regio zählt, in der man sich auf Tagesausflügen ganz selbstverständlich bewegt. Nein, was ich meine, ist das ursprüngliche Frankreich mit,- ich gebe es ja zu -, all seinen Klischees: Baguette, Wein, savoir-vivre….

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