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Reisen mit Kindern

Bilderreise 8 Als sich bei uns Nachwuchs ankündigte, sagten die Verwandten und Bekannten „Aha, nun wird also bald Schluss sein mit eurem Globetrotterleben!“ Sie sollten sich gründlich täuschen.
Unser Sohn war gerade sechs Wochen alt, als wir mit ihm zu einer schönen Tour mit dem Campingbus aufbrachen. Er war vier Monate, als er seine erste Flugreise machte und noch nicht ein halbes Jahr, als wir ihn nach Hong Kong mitnahmen. Ein Jahr später, -er hatte kurz zuvor laufen gelernt- war er bei einer China-Reise nicht davon abzubringen, die Große Mauer auf eigenen Beinen zu begehen. Unsere Tochter, knapp drei Jahre jünger, machte ihre ersten Schritte an einem Strand in Rhode Island, USA. Beide sind es von klein auf gewöhnt, unterwegs, auf Reisen zu sein. Probleme hat es damit nie gegeben.

Wie man das macht? Ich habe zwar kein Patentrezept, aber wenn man einige grundlegende Dinge beachtet, dürfte normalerweise nichts schiefgehen:

1. Vor der Reise klären

- welches Reiseziel eignet sich gleichermaßen für Eltern und Kind
- welche Art von Urlaub soll es sein, pauschal oder individuell, Hotel- oder Campingurlaub, mit Verpflegung oder Selbstversorger

Bilderreise 9Im Prinzip können Sie den Nachwuchs überallhin mitnehmen, solange er gesund ist und immer gut behütet bleibt. Allerdings sollte man sehr genau abwägen, ob man ihm extreme Klimawechsel, spezielle Schutzimpfungen, große Zeitverschiebungen, lange Anreisen u.Ä. zumuten will.

Egal ob Sie Strandurlaub, Urlaub auf dem Bauernhof, oder Wohnmobilferien machen,- es muss sowohl den Kindern, als auch Ihnen selbst zusagen. Denn was nützt es, wenn der Nachwuchs drei Wochen lang mit Begeisterung Sandburgen baut, und Sie langweilen sich zu Tode? Oberste Priorität sollte deshalb die Frage haben: Wovon haben alle etwas, was ist für alle interessant und entspannend zugleich?

Je kleiner die Kinder sind, desto leichter wird es fallen, sich für eine Urlaubsform zu entscheiden, denn man wird vermutlich das tun, was man immer getan hat, womit man am meisten Erfahrung hat. Kinder sind die Stimmungsbarometer schlechthin, je kleiner desto intensiver. Sie merken schnell, wenn man aufgeregt, unsicher oder gar unter Druck ist und reagieren entsprechend. Haben Sie immer Hotelurlaub gemacht, so wird es das Beste sein, Sie suchen sich eines, das für Familien geeignet und entsprechend ausgerüstet ist. Dem Kind zuliebe eine Ferienwohnung zu buchen, damit man sich nicht an feste Essenszeiten wie in Hotels üblich, halten muss, macht nur Sinn, wenn man mit dem Mehraufwand an Hausarbeit leben kann, den man beispielsweise durch das Fehlen einer Spülmaschine hat. Umgekehrt kann es ziemlich anstrengend sein, sich nach bestimmten Essenszeiten richten zu müssen, die partout nicht mit dem Rhythmus der Kinder zu vereinbaren sind, da wäre das Appartement dann doch die bessere Alternative. Hinzu mag noch kommen, dass Mahlzeiten im Restaurant nicht unbedingt dem Geschmack eines Kindes entsprechen, es will lieber gewohnte Kost, die aber auch nicht überall zu haben ist. Unabhängiger ist man da schon eher mit einem Campingbus oder Wohnmobil: Vieles kann von zuhause aus mitgenommen werden, Essenszeiten bestimmt man selbst bzw. das Kind, das Hunger hat. 

2. Reiseplanung

Bilderreise 11- Vordergründig haben sich die Pauschalreiseveranstalter längst auf das Klientel Familie eingestellt und locken mit sagenhaften Preisnachlässen und „günstigen“ Kinderfestpreisen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich so ein Angebot oft als Mogelpackung, denn wirklich günstig reist oft nur
- wer sich noch nicht an Schulferientermine halten muss,
- nur ein, höchstens aber 2 Kinder hat,
- keine hohen Ansprüche an Service und Qualität hat.
Ansonsten muss man oft fragen: wer soll das bezahlen? Ein zweiwöchiger Hotelurlaub mit Flug und Halbpension für eine vierköpfige Familie irgendwo im sonnigen Süden kommt während der Hauptsaison mit allem drum und dran schnell mal auf 5.000 bis 8.000€, insbesondere dann, wenn ein Kind bereits das 12. Lebensjahr vollendet hat. Denn auch die Nebenkosten sind alles andere als unerheblich und werden oft unterschätzt.
- Eine Ferienwohnung, die man mit dem eigenen Pkw erreichen kann, kommt da schon wesentlich günstiger und verspricht außerdem mehr Individualität. Da haben die Kinder dann i.d.R. ein eigenes Schlafzimmer und somit mehr Platz für sich.
- Campingurlaub ist dagegen nur für eingefleischte Individualisten zu empfehlen. Wer es nicht gewöhnt ist, mit dem vielseitigen Equipment zu hantieren, kann gerade mit Kindern schnell die Nerven verlieren. Der ungewohnte Geräuschpegel auf einem Campingplatz, unzureichende Sanitäranlagen, Hitze und Ungeziefer im Zelt, fehlende Kühlmöglichkeit für Lebensmittel u.v.m. müssen für Kinder bedacht werden. Ein Campingbus oder Wohnmobil bringt da schon etwas mehr Komfort, sollte von Ungeübten aber unbedingt zuvor an einem Wochenende erprobt werden.

3. Und was braucht man unterwegs?

Bilderreise 13Alle Kinder sind von zuhause bestimmte Rituale, täglich wiederkehrende Abläufe gewöhnt, die ihnen Sicherheit geben. Durch eine Reise können solche Dinge leicht durcheinandergeraten und somit besonders kleineren Kindern Vertrauen nehmen. Babys werden unruhig, Kleinkinder fragen vielleicht schon zwei Stunden nach der Abfahrt „Wann gehen wir wieder nach Hause?“, ältere finden es doof, für bestimmte Zeit ihre Freunde zurücklassen zu müssen. Da sind die Eltern entsprechend gefordert. Logisch, dass das Schmusetier, das Kuscheltuch, das Lieblingsspielzeug, die Lieblings-CDs unbedingt überall hin mit müssen. Bei uns haben solche Utensilien immer einen Großteil des Gepäckvolumens eingenommen, aber nie umsonst! Unsere beiden Kinder hatten von klein auf jeder ein eigenes Köfferchen, in das nur Dinge kamen, die es selbst für unterwegs ausgesucht und eingepackt hatte. Damit waren sie schon von vornherein in Planung und Ablauf einer Reise mit einbezogen und fanden es spannend. Sie durften beim Packen helfen und haben damit schon unsere Vorfreude mitbekommen und wurden selbst „angesteckt“. Natürlich darf besonders bei den kleinsten Mitreisenden nichts vergessen werden, von ausreichend Windeln, Pflegematerial, Medikamente, Kleidung, ggf. Nahrung bis hin zu Ersatzschnullern und „Trösterchen“ für alle möglichen „Wehwehchen“ ist ein Zuviel oft besser als ein Zuwenig. Denn am Urlaubsort kann das Fehlen eines wichtigen Utensils zeitraubende und nervenaufreibende Beschaffungsmaßnahmen nach sich ziehen.
DSC 0207Lange Auto- oder Zugfahrten, falls sie sich nicht vermeiden lassen, werden mit Bilderbüchern, „Handspielzeug“ (=alles, was nicht leicht herunterfallen, wegrutschen und in Nischen verschwinden kann) und Hörspielen verkürzt. Empfehlenswert ist es, den Kindern einen MP3-Player bzw. ein Smartphone mit Kinder APPs (z.B. über www.ene-mene-mobile.de zu beziehen) zu besorgen (Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk), damit sie mit ihrer zum wiederholten Male gehörten Hitliste nicht die Beifahrer nerven. Natürlich sollte man auch gemeinsam Musik hören, Autokennzeichenspiele, Länder raten, Lieder singen u.Ä. zur Zeitverkürzung unternehmen, aber wenn Pumuckl bereits zum 7. Mal die Fische von Meister Eders Nachbarin mit Salamischeiben füttert und der Papa deswegen die Staumeldungen im Radio verpasst, kann die Stimmung schon mal kippen.
Im Flugzeug geht die Zeit meist schneller herum: man bekommt Essen und Getränke, guckt sich das Entertainment-Programm oder die Erde von oben an, kann vielleicht mal mit der Stewardess ins Cockpit schauen und hat natürlich seine Lieblingssachen griffbereit. Bei längeren Linienflügen sollte man sich für das Baby schon bei der Buchung die Plätze vor der Leinwand reservieren lassen, weil dort die Schlafkörbchen eingehängt werden. Andernfalls müssen die unter-2-Jährigen die ganze Zeit über auf dem Schoß der Eltern verbleiben und das kann stressig werden. Normalerweise halten die Fluggesellschaften für Kinder jeden Alters ein wenig Beschäftigungsmaterial bereit, um es den „kleinen Gästen“ so komfortabel wie möglich zu gestalten, dennoch sollte man auch hier den ein oder anderen Trumpf im Ärmel haben: ein neues Pixi-Büchlein, eine neues Spiel, ein Malbuch o.a.

4. auch nicht unwichtig: Essen unterwegs

DSC 0231Die Stillkinder haben es am besten: die bekommen ihre Nahrung wo immer sie sind, und dann auch noch wohltemperiert und schmackhaft. Werden sie größer, kann es u. U. schon schwieriger werden. Je nachdem, wohin man reist, sind die gewohnten Speisen vielleicht nicht zu haben, so dass man lieber einen Vorrat Gläschen- und Breinahrung von zuhause aus mitnimmt. Spätestens ab dem Kindergartenalter isst das Kind bei den Großen mit. Im Hotel gibt es meist die Buffets, wo man nimmt, was einen anlacht, oder es werden spezielle Kindermenüs angeboten. Verpflegt man sich im fremden Land selbst, wird man oft zu Gewohntem, wie den altbewährten Teigwaren greifen. Experimente sind nicht unbedingt angesagt, es sei denn, der Nachwuchs äußert selbst den Wunsch, Neues zu probieren. Frisches Obst, Brot und z.B. Reis bekommt man fast überall auf der Welt. Im Vorrat hat man auch immer ein paar Kekse von zuhause (gewohnte Sorte), Müsliriegel oder sogar Schokolade, das hilft im Notfall auch mal über eine fehlende Mahlzeit hinweg. Getränke vorsichtshalber immer nur aus verschlossenen Behältern konsumieren.
Die Campingbus- und Wohnmobileltern sind meistens fein raus: haben Kühlschrank und Staufächer voll mit lauter guten Sachen von zuhause und müssen eigentlich nur zum Obst- und Gemüsekauf auf fremde Märkte. Da geht man dann am besten kurz vor der nächsten Mahlzeit hin,- denn was glauben Sie, was der Nachwuchs da so alles an leckeren Sachen entdeckt!

Zusammenfassend kann man sagen: Alles worauf geachtet werden sollte ist, dass die Kinder nie übermäßig aus ihrem körperlichen wie seelischen Gleichgewicht gebracht werden, und das lässt sich meiner Erfahrung nach bewerkstelligen. Wichtig ist dabei auch die eigene Gelassenheit, die Dinge anzugehen.

Unsere Kinder, inzwischen längst erwachsen, reisen immer noch gerne, auch zusammen mit uns. Psychische Schäden, wie mancher uns schon prophezeien wollte, haben sie vom vielen Reisen jedenfalls nicht bekommen, eher ein positives Weltbild und nie versiegende Neugier auf fremde Länder und Kulturen.